Carsten Neumann

Fachjournalist für IT, Datenschutz, Urheberrecht, Politik und Menschenrechte

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Es gab doch einst die für junge Leute geniale Erfindung mit dem Namen MTV. Dort wurden Musikvideos, die eigentlich auch nur Werbung für die Musik sind, gespielt um dazwischen wieder Werbeblöcke zu schalten. Heute verlagert sich alles zunehmend ins Internet und da hat Google die führende Online-Video-Plattform mit dem Namen YouTube. Dort kann man sich die Musikvideos anschauen und dabei Werbung eingeblendet bekommen. Daran möchte Google verdienen und auch die Gema.
Es gibt einen lange schwelenden Streit darüber, wie viel so ein Klick auf ein Musikvideo Wert ist. Dieser Streit ist jetzt eskaliert und die Gema droht damit bestimmte Musikvideos sperren zu lassen, um Google unter Druck zu setzen.

Dies ist nicht unbedingt im Sinne der Netzneutralität, wo der Benutzer unabhängig von seinem Standort erwartet Zugriff auf alle Inhalte zu haben. Schließlich sind wir hier nicht in China, wo der Staat entscheidet, was wir sehen dürfen.

Aber schon heute hat man auf viele Musikvideos bei YouTube keinen Zugriff, wenn man von Deutschland aus ins Internet geht. Um dies zu testen, muss man nur mal versuchen die weltweiten Top-Musikvideos anzuschauen. Man erhält die Meldung: Dieses Video enthält Content von ********. Es ist in deinem Land nicht mehr verfügbar.

Da fragt sich doch der potenzielle Kunde, soll ich das, was ich mir nicht mal im Internet ansehen darf, denn überhaupt noch kaufen? Der Hobbyfilmer oder Urlaubsfotograf, dem YouTube die Filme sperrt, weil er geschützte Musik verwendet hat, greift dann lieber zu freier Musik, die nicht unter GEMA-Kontrolle steht.

Daraus ergibt sich dann auch ein großes Dilemma, für die Künstler bei der Gema. Die dürfen dann ihre eigene Musik nicht auf ihrer YouTube-Seite anbieten.

Wenn aber die GEMA-Musik im wichtigsten Online-Video-Portal nicht mehr gespielt werden darf, wie sollen dann die potenziellen Kunden noch auf die Musik aufmerksam werden. Die kleinen Webradios hat die Gema auch kaputt gemacht mit Forderungen, die nur zahlungskräftige professionelle Anbieter leisten können.

Neidisch schaut dann der einheimische Surfer, was man jenseits der deutschen Grenzen so alles darf und kommt sich vor wie in einer Internet-Bananenrepublik. Damals in den 80ern, als es noch nicht so viel gab, gaben die Jugendlichen sehr viel Geld für Musik aus. Heute gibt es Handys, Spielekonsolen, Internet und vieles mehr. Dadurch, dass man Musik leicht kopieren kann, hat sie für die Jugendlichen sehr an Wert verloren. Das muss man nicht gut finden aber es ist auch illusorisch zu glauben, man könnte die Jugend dazu zwingen, die Musik zu kaufen.

Mehr zum Thema:

Die Junge Union hatte schon mal einen recht peinlichen Auftritt mit einem Lied bei YouTube. Daraus scheint die CDU nicht gelernt zu haben und hat zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ein Lied online gestellt, das von der Netzgemeinde ähnlich schlecht bewertet wurde.
Hiebei zeigt sich auch deutlich, dass die CDU keine Ahnung vom Online-Wahlkampf hat. Nachdem man feststellte, dass der Song eher kritisch aufgefasst wurde, zog man die Notbremse und stellte die Kommentare auf moderiert. Dabei vergaß man die Bewertungsfunktion abzuschalten und im YouTube-Kanal können die Kritiker immer noch ihren Ärger unmoderiert Luft machen. Dies zeigt deutlich, dass man das Medium Internet nicht beherrscht und dass man sich mit Kritik eher nicht auseinandersetzen möchte. Etwas merkwürdig kommt auch das Motto der CDU zur NRW-Wahl rüber: NRW für Rüttgers. Dies müsste eigentlich andersherum lauten.
Ansonsten war der Wahlkampf der CDU eher von Skandalen überschattet, sei es nun die Finanztricks, die Käuflichkeit oder der Umgang mit kritischen Journalisten.

Unsere Familienministerin Kristina Schröder erzählt in einem Interview im YouTube-Kanal zur NRW-Wahl, dass sie soziale Netzwerke erfolgreich nutzt. Tatsächlich twittert sie teilweise von ihrem Handy und antwortet dabei auch gelegentlich: [1] [2] [3]
Frau Ministerin freut sich auch, wenn sie in der Presse erwähnt wird: [1] [2] [3]
Allerdings sind das alles eher unverfängliche und belanglose Sachen. Bei kritischen Artikeln oder Anfragen schweigt die Ministerin lieber: [1] [2] [3] [4]


Die Piratenpartei versuchte am beginn des Wahlkampfes mit kreativen Mitteln Spenden zu erhalten. Beim Plakatieren wurde sehr kreativ gegen Rechts protestiert.
Für das Wahlkampfprogramm haben auch NGOs wie Mehr Demokratie mitgearbeitet. Die Entstehung des Wahlprogramms zeigt dieser Bericht sehr gut.
Darüber hinaus finden sich bei YouTube Interviews mit den meisten Kandidaten für die Landtagswahl: [1] [2] [3] [4] [5] [6].
Mit dem groß angelegten Wahlkampf der CDU, die dafür wesentlich mehr Mittel bereitstellt, kann man das nicht vergleichen. Interessant wäre es aber zu ermitteln, wie viel Geld die CDU pro Stimme im Wahlkampf ausgegeben hat und wie viel die Piraten. Die Piraten haben ganz klar verstanden, wie sie das Internet optimal im Wahlkampf einsetzen können und sind im Netz die am stärksten vertretene Partei. Ob dies zum Überschreiten der 5%-Hürde ausreicht, bleibt spannend. Bei der Bundestagswahl hat sich gezeigt, dass die Piratenpartei durchaus frischen Wind und ernste Themen beisteuert, aber eher von einer Randgruppe politisch interessierter Nerds gewählt wird. Dem hat man in NRW versucht mit einem breiteren Wahlprogramm, dass weit über das Thema Urheberrecht hinausgeht, entgegen zu wirken.

Dass die Piratenpartei mit dem Internet wesentlich besser umgeht hat auch die CDU erkannt. Merkwürdigerweise scheint man aber nicht in der Lage zu sein daraus zu lernen, wie der Wahlkampf in NRW zeigt…

Am Welttag des geistigen Eigentums am 26. April wurden wieder ganz alte, längst widerlegte Kamellen aufgewärmt und das Schreckgespenst vom im Internet kopierten Inhalten aufgetischt, dass ganze Industriezweige und Arbeitsplätze vernichtet. Die damit aufgeschreckten Politiker können so natürlich nicht den Kopf freibekommen, um eine längst überfällige Modernisierung des Urheberrechts in Angriff zu nehmen.

Man forderte beispielsweise ein Two-Strikes-Modell, wo jemanden nach zwei Warnungen der Internetzugang und damit eine wichtige Informationsquelle gesperrt wird. Auch war man sich nicht zu schade zu behaupten, dass durch angeblich illegale Kopien 10 Milliarden Umsatzverlust und damit 195.000 Arbeitsplätze pro Jahr vernichtet werden.

Dabei ist längst belegt, dass die angegebene Verluste jeglicher Grundlage entbehren. Jeder halbwegs intelligente Mensch kann leicht nachvollziehen, dass wenn die Verwertungsindustrie tatsächlich so hohe Verluste erwirtschaften würde, diese längst Pleite wäre.
Nehmen wir aber die Verwertungsindustrie beim Wort und glauben diese Verluste, dann kommen wir unweigerlich zu der Schlussfolgerung: Filesharing und Raubkopieren sind stärker demokratisch legitimiert als unsere Regierung. Denn wenn so viele Personen Filesharing betreiben, dann sind das mehr als unsere Regierung Stimmen bekommt bei der Wahl.

Tja liebe Politiker und Verwertungsindustrie dies sollte euch eigentlich zum Nachdenken anregen. Wollt ihr wirklich einen Großteil der Bürger und damit Kunden in die Illegalität treiben oder wollt ihr endlich beginnen über ein neues modernes Urheberrecht nachzudenken?

Der Wert eines digitalen Gutes steigt mit der Verbreitung. Jede Kopie steigert die Verbreitung und damit die Bekanntheit. Für die Kopien sorgen eure Kunden, dafür habt ihr keine Kosten. Jetzt muss man nur noch ein passendes Geschäftsmodell drum herum bauen. Dies können Werbeeinblendungen sein, Merchandising, Kulturflatrate, usw…
Musiker können über mehr Kopien ihrer Werke ihre Bekanntheit steigern und mehr Fans auf die Konzerte bekommen, an denen sie wieder verdienen können.

Aber leider ist unsere Welt noch nicht reif für solche Ideen. Die USA hat vor Kurzem eine Liste von Copyright-Sündern erstellt. Ebenso könnte man die USA als größten Umwelt-Sünder auf eine Liste setzten. Schuldzuweisungen bringen doch nichts. Man sollte beginnen die Probleme zu lösen.

In diesem Sinne verehrte Verwertungsindustrie schaut euch dieses Video an, was ein wesentlich besserer Beitrag zum geistigen Eigentum ist, als dass was ihr euren Kunden antun wollt.

Auf der re:publica 2010 traf ich Aaron Koenig aus dem Bundesvorstand der Piratenpartei in dem Panel über Community-Management. Wir verabredeten uns zu einer gemeinsamen Mittagspause, wo ich ein Interview mit im führte. Dabei stellte ich ihm Fragen zu seinem Blog, dem Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen, Facebook usw… Wie unter Bloggern so üblich, haben wir uns während des Interviews geduzt.

Carsten: Aaron, einige deiner Äußerungen in deinem Blog haben ja ein sehr negatives Echo der Parteibasis hervorgerufen, …

Aaron: Da möchte ich gleich einhaken: was soll das sein, „die Parteibasis“? Wir haben über 13.000 Mitglieder mit wahrscheinlich eben so vielen Meinungen. Ich habe auf meine Blogposts auch sehr viel Zustimmung bekommen – aber die, die am lautesten krakeelen, neigen dazu, sich selbst für „die Stimme der Basis“ zu halten.

Carsten: Ok, lass mich das umformulieren. Im Internet wurden deine Äußerungen von einigen Piraten durchaus scharf und sehr kritisch diskutiert. Es ging da zum einen über deine Äußerung, dass du einen militärischen Einsatz im Iran befürworten würdest, um zu verhindern, dass dieser Atomwaffen entwickelt.

Aaron: Ich bin in den allermeisten Fällen (z. B. Ende der 90er in Serbien oder heute in Irak und Afghanistan) gegen die Kriegseinsätze der Nato. Aber der Fall Iran liegt anders. Das iranische Regime unterdrückt nicht nur seine eigene Bevölkerung brutal, es hat auch klar zu verstehen gegeben, dass es Israel vernichten will. Zu diesem Zweck baut es ganz offensichtlich und unverhohlen an der Atombombe. Das darf der Westen nicht einfach geschehen lassen. Israel ist ein wunderbares Land und ein Bollwerk der Freiheit und Demokratie im ansonsten von totalitären Staaten dominierten Nahen Osten. Ich denke, dass die Gefahr eines Krieges sehr viel größer wäre, wenn man nichts täte. Wenn Israel allein handelte, und die iranischen Atomanlagen zerstörte, würde das iranische Regime wahrscheinlich zurückschlagen mit unabsehbaren Folgen. Ahmadinedschad wird sich dies jedoch nicht trauen, wenn die demokratischen Staaten des Westens zusammenhalten.

Carsten: Über den Atomwaffensperrvertrag ist der Iran ja berechtigt die Atomenergie zivil zu nutzen.

Aaron: Rein legal leider ja, daher muss der Atomwaffensperrvertrag dringend überarbeitet werden. Sowohl die militärische als auch die so genannte „zivile“ Nutzung der Atomkraft müssen geächtet werden. Sie wird ja immer wieder missbraucht (siehe Pakistan und Nord-Korea) um sich Atomwaffen anzueignen. Ich bin grundsätzlich gegen Atomkraft. Diese ist eine gefährliche, überholte Technologie. Ich würde stattdessen voll auf dezentrale Energieerzeugung durch erneuerbare Energien setzen.

Carsten: In einer anderen Äußerung in deinem Blog ging es darum, dass du das Minarettverbot in der Schweiz befürwortet hast.

Aaron: Das ist nicht korrekt, ich halte das Minarettverbot für unsinnig und falsch. Ich habe nur Respekt für die demokratische Entscheidung der Schweizer eingefordert, denn ich finde das direkte Demokratiemodell der Schweiz vorbildlich. Man kann aus dem Ergebnis des Volksentscheides auch nicht folgern, dass die Mehrheit der Schweizer ausländerfeindlich sei, wie dies einige Mainstreammedien behauptet haben. Ich sehe es als Ausdruck eines durchaus begründeten Unbehagens gegenüber einer Religion, auf deren Nährboden totalitäre politische Ideologien leider gut gedeihen. Man sollte aber deswegen nicht pauschal alle Anhänger dieser Religion verurteilen, sondern genau hinschauen und gut differenzieren: wer seine Religion als Privatsache sieht, ansonsten aber mit unseren Gesetzen und Grundwerten übereinstimmt, ist willkommen. Aber religiöse Fanatiker, die meinen, ihre Lehre stehe höher als die von Menschen gemachten Gesetze, passen nicht in die humanistische, aufgeklärte Gesellschaft, die ich mir für Europa wünsche.

Carsten: In den Kommentaren in deinem Blog gab es dann ja sehr heftige Kritik dazu.

Aaron: Über die sachliche Kritik habe ich mich gefreut. Teilweise war das Niveau allerdings erschreckend niedrig. Es hat mich schon ein wenig überrascht, wie emotional und unter der Gürtellinie dort kommentiert wurde. Ich kam mir ja beinahe vor wie Sascha Lobo ohne Irokese! Aber ich habe eine wirksame Teflonschicht, an der so etwas abperlt.

Carsten: Es gab ja die Meldung, dass du deine zukünftigen Artikel mit der Pressestelle der Piratenpartei abstimmen möchtest. Warum ist dies nicht geschehen?

Aaron: Ich habe während der Diskussion um den Minarettartikel selbst als Zeichen des guten Willens vorgeschlagen, meine Artikel von der Bundespressestelle gegenlesen zu lassen. Nachdem ich das einmal getan hatte, kam aber die berechtigte Kritik, dass sie dann ja erst recht einen offiziellen Charakter bekämen. Daher habe ich von dieser Idee wieder Abstand genommen. Mir ist es nach wir vor wichtig, meine eigene politische Meinung zu Themen zu äußern, zu denen es noch keine „offizielle Meinung“ der Piraten gibt. Ich bin ja nicht in die Politik gegangen, um wie ein Papagei eine „offizielle Parteilinie“ zu verkünden. Ich möchte selbst Themen definieren und Akzente setzen. Dabei habe ich kein Problem damit, manchmal gegen den Strom zu schwimmen und anzuecken. Weichgespülte Politiker, die populistisch nur das sagen, von dem sie meinen, dass es gut ankäme, haben wir schon genug.

Carsten: Du hast dich sehr dafür eingesetzt, dass B. Thiesen seiner Ämter enthoben wird. War er ein Rechtsradikaler?

Aaron: Ich kenne ihn nicht persönlich und glaube nicht, dass er rechtsradikal ist. Er hat sich einfach nur sehr ungeschickt verhalten. Den Holocaust anzuzweifeln oder Polen eine Mitschuld am zweiten Weltkrieg zu attestieren, zeugt nicht von hohem historischen und politischen Sachverstand. Dafür würde er in den Medien stark angegriffen, was leider auf die Partei abgefärbt hat. Daher mussten wir ein Exempel statuieren, um ganz klar zu machen, dass Rechtsradikale bei uns nichts zu suchen haben. Das hat ja auch ganz gut funktioniert. Jetzt sind eher die Linksradikalen das Problem.

Carsten: In dem Lied „Alle die mit uns den Bundestag entern…“ spielst du Gitarre. Kannst du Gitarre spielen und ist das deine Band und plant ihr weiter Songs?

Aaron: Ich habe das Arrangement gemacht, den Text geschrieben und Rhythmusgitarre gespielt. Bass- und Leadgitarre hat der Produzent Michael O`Ryan gespielt, Lena Simon hat die Leadstimme gesungen, einige Piraten den Chor. Eine richtige Band ist es nicht. Das war eine einmalige Aktion für den Wahlkampf. Lena Simon hat übrigens später die vieldiskutierte „Piratinnen“-Mailingliste gestartet.

Carsten: Da wollte ich sowieso drauf zu sprechen kommen. Wie war das mit der Genderdebatte? Wusstest du davon, dass Lena so was startet und hältst du sie für notwendig in der Piratenpartei?

Aaron: Es gibt leider zu wenig Frauen in der Piratenpartei (wie übrigens in allen Parteien) aber ich glaube nicht, dass sie dadurch benachteiligt sind. Frauen haben es bei uns sogar eher leichter, in Vorstandposten gewählt zu werden, weil wir eben kein reiner Männerverein sein wollen. Was das Thema „Gender“ betrifft: Ich halte nichts davon, die Sprache durch Binnen-Is und seltsame Formulierungen wie man/frau zu verunglimpfen. Wenn man schon die Sprache von diskriminierenden Elementen befreien will, sollte man die Endsilbe „-in“ ganz abschaffen. Im Englischen heißt es ja auch „She is a teacher“, weil das Geschlecht für das Berufsleben eben keine Rolle spielen sollte. Daher finde ich es gut, die Bezeichnung „Pirat“ geschlechtsneutral zu benutzen. Wenn man über die Benachteiligung von Frauen spricht, sollte man aber nicht übersehen, dass mitten in unserer Gesellschaft Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt, vergewaltigt, zwangsverheiratet und sogar ermordet werden, wenn sie emanzipiert und selbstbestimmt leben wollen, und sich nicht an die Gesetze eines Buches aus dem siebten Jahrhundert halten. Das ist die Genderdebatte, die wir führen sollten, statt uns über Wortendungen zu streiten.

Carsten: Hast du vor, dich im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen zu engagieren?

Aaron: Ich war tatsächlich in letzter Zeit viel in Düsseldorf, habe einige Treffen der NRW-Piraten besucht und auch eine schöne Allianz für eine gemeinsame Kampagne für Volksentscheide mit Mehr Demokratie e.V. geschmiedet. Doch leider waren dafür im Bundesetat keine Mittel mehr vorhanden, deswegen konnte ich das nicht weiter verfolgen, was ich sehr schade finde. Ich glaube, die NRW-Wahl ist die wichtigste Wahl in der bisherigen Geschichte der deutschen Piratenpartei. Wenn wir es dort nicht schaffen, in den Landtag zu kommen, oder zumindest ganz nah an die 5%, haben wir ein echtes Problem. Dann glaubt man es uns nicht mehr, dass wir es jemals schaffen. Einen Medienhype wie zur Bundestagswahl 2009, als wir neu waren und vom Exotenbonus profitiert haben, wird es nicht wieder geben.

Carsten: Findest du die Erweiterung der Themen in NRW für den Wahlkampf gut und richtig?

Aaron: Es ist grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn ich persönlich mit dem Wahlkampfprogramm in NRW nicht so viel anfangen kann. Mir fehlt die klare Linie. Ich war schon immer dafür, dass wir mehr Themen besetzen müssen, um für genügend Wähler interessant zu werden. Dies sollten wir aber auf intelligente Weise tun, die sich deutlich von den anderen Parteien abhebt. Ich verstehe die Piraten als libertäre Partei, die gegen den Überwachungsstaat und überhaupt den in alles eingreifenden „Vater Staat“ eintritt, der seinen Bürgern immer mehr persönliche Freiheiten nimmt. Es gibt bessere Lösungen für die Probleme unserer Zeit als die aufgeblähte, hierarchisch organisierte Staatsbürokratie. Ich würde viel mehr auf Netzwerke, auf flache Hierarchien, auf freiwillige Zusammenschlüsse von Bürgern setzen, und alle staatlichen Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft auf das absolut notwendige Minimum reduzieren. Wir haben in Deutschland mit SPD, CDU und CSU schon drei sozialdemokratische und mit Linken und Grünen zwei sozialistische Parteien, obwohl sich deren Rezepte nicht bewährt haben. Meiner Meinung nach ist der Staatsinterventionismus die eigentliche Ursache für die Finanz- und Wirtschaftskrise: dadurch, dass Zentralbanken aus dem Nichts Geld erschaffen und in die Wirtschaft pumpen können, werden Spekulationsblasen und Gierexzesse überhaupt erst möglich. Deswegen bin ich für die Abschaffung der Zentralbanken und des ungedeckten Scheingeldsystems. Die FDP wiederum ist eine korrupte Klientelpartei, sie ist alles andere als libertär. Es wird dringend eine progressive und libertäre Gegenkraft zu den staatsgläubigen Altparteien gebraucht. Die Piraten hätten das Potenzial dazu, aber ich bin nicht sicher, dass das alle Mitglieder einsehen. Auch bei den Piraten gibt es leider noch eine Menge Sozialisten und Staatsgläubige. Ich hoffe, die erkennen bald, dass der Markt für solche Positionen bereits übersättigt ist.

Carsten: Was hat es mit der Sache auf sich, dass im Internet geschrieben wird dein richtiger Name wäre Stefan?

Aaron: In meinem Personalausweis steht Stefan Koenig, aber schon seit 1984 nennen mich alle meine Freunde Aaron. Das fing als Künstlername in einer Band an, aber seitdem habe ich alles unter diesem Namen gemacht, Artikel und Bücher geschrieben, und viele Spuren im Netz hinterlassen. Stefan nennen mich nur noch Behörden, Banken und Idioten.

Carsten: Wie kam die Diskussion um deinen Vornamen in der Piratenpartei auf?

Aaron: Ich habe auf dem Bundesparteitag für eine Bankvollmacht mit meinem bürgerlichen Namen Stefan unterschrieben und auch das geforderte Post-Ident-Verfahren durchgeführt. Da gab es dann eine kurze Rückfrage der Bank, weil im Protokoll natürlich Aaron stand. Das war aber schnell geklärt. Der Zugriff des Bundesvorstandes auf das Konto wurde dadurch nicht verzögert, wie fälschlich behauptet wurde. Die Verzögerung kam dadurch zustande, dass ein anderes Mitglied des Vorstands vergessen hatte, seine Post-Ident-Unterlagen rechtzeitig abzugeben, ich nenne jetzt aber keine Namen…

Carsten: Bist du der Meinung, man müsste Facebook wegen der andauernden Datenschutzverletzungen boykottieren oder sogar blockieren?

Aaron: Wenn sich die Facebook-User zusammenschließen und gegen Datenmissbrauch protestieren, können sie etwas bewirken, das haben sie ja schon bewiesen. Aber eine Blockade durch den Staat wäre grundverkehrt. Das wäre ja wie in China oder dem Iran! Ich bin dafür, dass sich der Staat sich aus dem Internet und überhaupt allen Medien weitgehend heraushält. Das können die User selbst viel besser regeln. Wenn Facebook das Vertrauen seiner Mitglieder verspielt, werden sie einfach zu einem anderen Anbieter wechseln.

Carsten: Frau Aigner von der CSU und andere Politiker mahnen ja regelmäßig die Datenschutzverletzungen an. Findest du das nicht richtig?

Aaron: Frau Aigner soll sich auf die Landwirtschaft konzentrieren, von der versteht sie etwas, und das Internet in Ruhe lassen. Auch ihre Attacken gegen Google Streetview finde ich absurd. Jeder hat das Recht, Fotos vom öffentlichen Raum zu machen, auch Google, denn Straßen und Häuserfronten liegen eben nicht in der Privatsphäre. Wenn der Staat dies heute Google verbietet, könnte er es morgen auch dem normalen Bürger verbieten. Ich finde, dass Google Streetview ein großartiger Service ist, der dem Gemeinwohl dient. Wenn man dagegen den Schaden einiger weniger Leute abwägt, die zufällig dabei erwischt werden, wie sie aus Pornoläden kommen, ist das wirklich zu verschmerzen, zumal Google alle Gesichter verpixelt.

Carsten: Trittst du auf dem Bundesparteitag der Piraten in Bingen erneut für den Bundesvorstand an?

Aaron: Es haben mich schon einige Piraten im Wiki für Vorstandsämter vorgeschlagen, das freut mich sehr. Aber ich möchte mir eine Kandidatur noch offen halten. Für mich hängt viel vom Ergebnis der NRW-Wahl ab. Wenn wir das Ergebnis der Bundestagswahl dort nicht deutlich übertreffen, rechne ich mir für die Piraten bei weiteren Wahlen keine hohe Chancen aus. Dann überlege ich mir natürlich, in was ich meine Energie zukünftig investiere.

Carsten: Vielen Dank für das Interview.

[UPDATE]
Was über das Interview so gemicrobloggt wurde, kann man z. B. hier nachlesen.

[UPDATE II]
Nach dem Wahlergebnis der Piratenpartei in Nordrhein-Westfalen von 1,5% erklärte Aaron Koenig seinen Rücktritt. Mit 1,5% haben die Piraten in Nordrhein-Westfalen aber die wichtige Grenze für die Wahlkampfkostenerstattung geschafft.

Ich war wieder bei verschiedenen Vorträgen, leider überwiegend mit unzureichendem WLan, sodass ich nur unvollständig microbloggen konnte :(

Der Vortrag “Netzneutralität eine Einführung” hat mir sehr gut gefallen, weil alles wesentliche angesprochen wurde. Abzurufen unter dem Tag: #NeE.

Bei “Community-Management: Fallstricke und einmalige Chancen” habe ich gehört wie Zeit-Online, Spiegel-Online, Heise-Online und Netzpolitik über den Umgang mit Communitys gesprochen haben. Findet man unter dem Tag: #comgt.

In “Entschwörungstheorie” ging es darum wie sich Verschwörungstheorien aufbauen und was dahinter steckt. Alles dazu unter dem Tag: #enth

Netzneutralität war ja eines der Hauptthemen des Tages so habe ich von Tim Wu einen Überblick über Zensurmaßnahmen weltweit angehört in “Net Neutrality and Free Speech” unter dem Tag: #NNaFS.

War noch bei anderen Vorträgen ohne WLan, davon berichte ich eventuell später…

Was andere Medien so berichtet haben:
Süddeutsche: Utopie trifft Zukunftsangst
tv.berlin: Internet-Tagung re:publica

Rund um den Friedrichspalast, wo die re:publica 2010 eröffnet wurde, kam mir Berlin wie eine Baustelle vor. Da ich sehr früh da war, bekam ich schnell meine Eintrittskarte, die ein Papierklebeband war. Dieses muss ich jetzt 3 Tage lang tragen, damit ich rein komme. Hoffentlich löst es sich beim Duschen nicht auf :(
In einer kurzen Rede eröffneten Tanja Haeusler, Marcus Beckedahl, Andreas Gebhard und Jonny Haeusler die re:publica. Wobei Jonny den Teilnehmern dankte, dass viele schon ihr Ticket gekauft hatten bevor der erste Programmpunkt feststand für die Vorschusslorbeeren. Dann sagte er den Satz: “Das WLAN steht!” – dem war aber leider nicht so :(
Es gab zwar ein WLan, doch war es unmöglich da eine stabile Verbindung zu bekommen. Deswegen zogen viele ihre UMTS-Sticks und als Folge war aus das Mobilnetz kaum erreichbar. Die Twitterwalls standen teilweise still wärend der Vorträge. Ein Armutszeugnis für eine Messe, die das Hauptthema Microblogging hat. Also alles wie letztes Jahr und man hat immer noch keinen gefragt, der sich mit WLan auskennt oder einen Mobilfunkprovider als Sponsor aufgetan. Einer der Sponsoren war IBM, sodass viele mit Lotus-Taschen herumliegen, die dort verteilt wurden.

Es gibt 265 Vortragende aus 30 Nationen von 4 Kontinenten auf der re:publica 2010, wobei Australien fehlt.

Der erste Vortrag handelte vom achten Kontinent, dem Netz. Peter Glaser beschrieb die erste soziale Zusammenkunft am Feuer und am Ende der Entwicklung stand der Computer. Der achte Kontinent (das Netz) wird besiedelt, weil es sonst keine weißen Flecken mehr gibt. Viele wollen im Netz gar nichts mehr finden, sondern nur noch Suchen, was er als Google-Syndrom bezeichnet. Doch wer in Deutschland statt den Notarzt zu rufen, bei Google sucht ist einfach nur dämlich. In Amerika hingegen, wo viele keine Krankenversicherung haben, verspricht es medizinische Hilfe. Früher fraß der Große den Kleinen und heute der Schnelle den Langsamen. Bei den Geräten der Zukunft wird der Ausschaltknopf wahrscheinlich weg optimiert, da heute schon bei vielen die Belastung zu hoch ist ihr Handy abzuschalten aus Angst sie könnten was verpassen.
Insgesamt ein sehr zutreffende Schilderung über die Vergangenheit und Zukunft des Netzes.

Dann kam Evgeny Morozov drann mit dem Thema „A Twitter revolution without revolutionaies?”. Bei ihm habe ich zum ersten mal gemerkt wie schwer es ist einem Nerd auf englisch zu folgen, weil er zu schnell und ohne Punkt und Komma sprach. Es ging darum das Zeitungen anfingen Schlagzeilen zu twittern bis hin zum Iran wo über Twitter Proteste organisiert wurden. Das wir weniger als 1% von dem wissen, was wir wissen müssten. Autoritäre Systeme hassen keine Information, sondern sie nutzen sie für Propaganda. Dann stellte er Punkte vor wie man vorgehen sollte um Informationen über Gräueltaten zu verbreiten.
Revolution ist dabei nicht, einen Wikipedia Artikel zu ändern.

Weiter ging es mit „Staatlichkeit und Internet”. Ralf Bendrath und Andreas Schmidt meinten dann, dass sie sich für den Vortrag einen Tag vorher Gedanken gemacht hätten und die dritte Vortragende Stefanie Sifft gleich weggelassen hätten, weil ihr Arbeitgeber sie nicht weglassen wollte. Im ersten Teil haben sie durchaus interessante Fragen aufgeworfen, dann wurde es aber zunehmend konfuser. Es ging darum, dass Google mit dem Rückzug aus China, zum ersten Mal ein Unternehmen einen Staat herausgefordert hat. Wikileaks hat auch versucht in Island Gesetze durchzudrücken. Man hat dann Staaten und Unternehmen und ihre Macht verglichen, wobei Macht so definiert wurde, dass derjenige mächtiger ist, der leichter auf den anderen verzichten kann. Doch kann Google auf die USA verzichten und sollte Deutschland Facebook sperren wegen Datenschutzverletzungen? Da während des Vortrags Google scharf kritisiert wurde, kam der Einwand, dass Google doch die re:publica sponsern würde. Woraufhin man meinte: “Aber nicht dieses Panel!“

Es folgte die „Feministische Netzkultur 2.0″ wobei die Vortragenden aber nur ihr Arbeitsumfeld vorstellten und sich einig waren, dass inzwischen mehr über feministische Themen diskutiert und berichtet wird.

Im Vortrag „What’s next” ging es um das soziale Gehirn. Diskussionen über das Internet sind meistens unproduktiv, weil es eine Eigendynamik hat. Es wurde eine Studie über Poweruser vorgestellt, wobei diese nach der Auswertung in 2 Gruppen eingeteilt wurden die beide 50% waren. Die eine Gruppe, die Digital Visitors haben nur Freunde in der echten Welt, fanden das Web 1.0 besser und Web 2.0 einen Rückschritt. Sie lehnen virtuelle Demokratie ab. Die andere Gruppe, die Digital Residents sind mit der Identität vollständig ins Netz eingezogen und mögen Twitter und Flashmobs als demokratische Ausdrucksweise. Bei diesen Gruppen kommt es jetzt regelmäßig zu Spannungen und Missverständnissen. Deswegen rät Peter Kruse nicht mit Experten zu sprechen, sondern sich mit sozialen Netzwerken zu unterhalten. Und ist man nicht willig, so braucht man Geduld.

In „Augmented Reality” führte Marc Rene Gardeya einen eintönigen, wenig mitreißenden Vortrag über Filme und Bilder, die man mit GPS anderen in Echtzeit zur Verfügung stellt. Also genau das, was Microsoft mit der Suchmaschine Bing vorhat.

Frank Rieger vom CCC stellte seine Vision von der Rettung des Planeten vor im Vortrag „Saving the Planet vs. privacy”, wo er die These aufstellte, dass intelligente Stromzähler und GPS im Auto wichtiger sind um Ressourcen zu schonen, als die Gefahr dadurch überwacht zu werden. Mit einer Maut für Autos, die über GPS gesteuert wird, kann man seiner Meinung nach wirkungsvoll verhindern, dass zu viel gefahren wird.

Im Vortrag „Upgrading Political Journalism” wünscht sich Lorenz Meyer ein besseres System um den politischen Inseljournalismus auszuwerten. Dabei möchte er einen besseren Überblick und erkennen können, was gelesen wird und was die Leser für richtig halten. Für Kulturjournalismus bieten die Perlentaucher so etwas an.

Weiter ging es mit „Freedom of expression in the net”, wobei eine arabische Bloggerin und ein chinesische Blogger teilweise sehr emotional die Zustände in ihren Ländern beschrieben. So gibt es kaum eine Chance über Sex, Religion oder Politik zu bloggen. Wer es doch tut wird inhaftiert. Firmen zensieren sich selber um die Politik nicht zu verärgern. Teilweise werden Blogger wegen den Kommentaren in ihren Blogs verhaftet. Das Problem an China ist, dass man einem kleinen Land helfen könnte, aber ein großes Land wie China muss sich selber helfen, den richtigen Weg zu finden, wie man mit Zensur richtig umgeht.

Dann kam ich endlich einmal ins WLan, sodass der gute Vortrag „Das Internet ist dezentral und andere gefährliche Mythen“ von Sebastian Deterding im Microblog nachgelsen werden kann: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13

Bei „Die Freiheit über den Wolken“ von Karsten Gerloff von der Free Software Fondation (nachzulesen unter dem Tag #füdw) ging es darum, dass er sich wünscht es würde eine dezentrale Wolke mit freier Software aufgebaut. Im Vortrag kritisierte er teilweise Google für seine Überwachung und Monopolstellung und stellte freie Software vor, die Google ersetzen kann. Andererseits hat Google eine große Macht, da sie eine sehr hohe Anzahl an Servern haben. Diese laufen unter Linux, da Google es sich nicht leisten könnte für alle Microsoft-Lizenzen zu kaufen. Insofern hat freie Software Google groß gemacht. Im Anschließenden Gespräch mit einem Google Mitarbeiter zeigte er sich aber versöhnlicher und meinte, dass es nicht darum ginge Google platt zu machen und der Druck durch freie Software Google eher besser machen würde, weil sie sich mehr anstrengen müssten.

Sascha Lobo beschrieb dann im Vortrag „How to survive a shit storm“, wie er als Vodafone Nutte bezeichnet wurde, weil er für ein freies Netz eintrat und Vodafone, für die er Werbung machte, die Vorratsdatenspeicherung umsetzte. Er zeigte die Loblone: Will was zu sagen haben! Außerdem wurde er mal zum acht schlechtesten angezogenen Mann gewählt. Wie man mit all den Beleidigungen umgeht und gelassen darauf reagiert ist schon eine Kunst. Außerdem wurde er mal von Trollen belästigt, die Nachts an seiner Haustür klingelten. Er fotografierte diese und fand heraus, dass einer von ihnen mal als Direktkandidat bei der Bundestagswahl angetreten ist. Ein anderer Troll hat in seinen Artikeln ständig mit sich selbst diskutiert.

Zum Schluss gab es die Twitterlesung. Hier ein paar gute Tweets daraus:

Was berichtete die Mainstreampresse?
TAZ: Kein Sendeschluss mehr
Stern: Kirchentag für die Internetgemeinde
Zeit: Zweifel als Motor des Fortschritts
Heise: re:publica: Globale Regeln fürs Netz umstritten
Focus: Blogger-Konferenz Re:Publica: Die Revolution wird nicht getwittert
Bild: Hier treffen sich die Blogger der Welt

Webprominenz, die ich während der Vorträge als Zuhörer gesehen habe:
Julia Seeliger
Jörg Tauss
Aaron Koenig aus dem Bundesvorstand der Piratenpartei, der im Netz teilweise umstritten ist.
Den elektrische Reporter

Leider sterben immer wieder Kinder in unserem Land durch Vernachlässigung und mangelnde Kontrolle der Jugendämter und immer, wenn so ein Fall durch die Presse geht, gibt es Politiker mit der Forderung: Die Rechte des Kindes müssen ins Grundgesetz!

Ein Kind ist doch ein kleiner Mensch, der einen besonderen Schutz und Behandlung von uns Allen erfahren sollte. Aber ein solcher kleiner Mensch hat doch auch in erster Linie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, was ihn das Grundgesetz doch längst garantiert?

Darüber hinaus gibt es das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (engl. Convention on the Rights of the Child, CRC). Das sind eine ganze Menge Seiten, die das Grundgesetz völlig unnötig aufblähen würden, denn als Bestandteil der Menschenrechte ist es sowieso auch Bestandteil des Grundgesetzes (siehe GG Artikel 1(2)).

Wenn man sich dann anschaut, wie viel Aufwand getrieben wird um Schnellfahrer zur Kasse zu bitten, dann fragt man sich doch: Warum wird der selbe Aufwand nicht zum Schutz unserer Kinder betrieben? Jugendämter sind total überlastet und nicht mit ausreichendem Personal ausgestattet, um ausreichend zu beraten und zu kontrollieren. Auch wenn es um die gesunde Ernährung unserer Kinder geht, z. B. Obst an Schulen zu verteilen, winken unsere Politiker lieber ab.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Prioritäten in unserem Land nicht richtig gesetzt sind!

Sony LogoSony hat mal wieder den denkbar ungünstigsten Weg gewählt, um seine Produkte vor kopierten Spielen zu schützen, indem sie Linux von der PS3 ausgesperrt haben. Dadurch haben sie jetzt den Ehrgeiz der Linux-Internetgemeinde geweckt. Die PS3 Hardware ist für Hacker durchaus ein interessanter Bereich. Bis jetzt konnte man da ganz normal Linux drauf laufen lassen und dies wurde auch in Forschungseinrichtungen gemacht. Jetzt sind diese Hacker aber verärgert und werden nicht eher ruhen, bis sie die Sicherheitsmechanismen überwunden haben und Linux wieder normal, mit vollen Hardwarezugriff läuft. Als Nebenprodukt wird dabei dann auch genug Material für die Spielecracker abfallen, um kopierte Spiele auf der PS3 zum Laufen zu bringen. Ein Prozess, der sonst wahrscheinlich viel länger gedauert hätte.

Sony make believeWieder einmal hat Sony nach dem Rootkit-DRM-Debakel und sehr merkwürdigen Ansichten über das Kopieren von Musik auf MP3-Player gezeigt, dass die Interessen des Kunden nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Leider scheint man bei Sony aber auch nicht aus den Fehlern zu lernen und die Firmenpolitik zu überdenken.

[UPDATE]
Inzwischen gibt es bei YouTube ein erstes Video über den PS3-Linux-Hack…

Franziska Heine, Initiatorin der Petition gegen Internetzensur, auf einer Demonstration gegen Netzsperren in Berlin. - Bild unter: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 von http://commons.wikimedia.orgEinen Tag bevor das Gesetz für Netzsperren in Kraft tritt, wird Franziska Heine (Initiatorin der Petition gegen Netzsperren) vom Petitionsausschuss angehört.

Mit 134015 Unterzeichnern hat Franziska Heine die bisher größte Petition gegen Netzsperren gestartet. Es ging dabei um die Stopp-Schilder, die die ehemalige Familienministerin Ursula von der Leyen zum Sperren von Kinderpornografie im Internet verteilen wollte. Sie hatte allerdings nicht mit dem heftigen Protest der Internetgemeinde gerechnet, der hier den Einstieg in eine Zensurinfrastruktur befürchtete. Als Beispiel wurden von Frau Heine Listen genannt, aus Ländern, in denen es bereits eine ähnliche Gesetzgebung gibt, auf denen über die Hälfte der Einträge falsch gelistet waren. Ihre Forderung: “Löschen statt Sperren!”, wäre mit der jetzigen Gesetzgebung möglich. Dies hat sich inzwischen in fast allen Parteien herumgesprochen, sodass die Anhörung im Petitionsausschuss sehr wohlwollend ausfiel. Die ehemals größte Befürworterin des Gesetzes Frau von der Leyen blieb der Anhörung fern.

Links:
Stellungnahme von Franziska Heine vor dem Petitionsauschuss
Interview mit Franziska Heine über ihren Einsatz gegen die Internetzensur

Ich habe ein Interview mit Laura Schwensen geführt. Sie ist Steuerfrau des zweit schnellsten Achters auf der Junioren Weltmeisterschaft in China 2007 und damit Vizeweltmeisterin. Das Interview ist auf den Webseiten der Rudervereinigung Kappeln erschienen. [Bitte hier klicken um das Interview zu lesen.]