Welcher Suchmaschine kann man noch trauen?

Suchmaschine - cc-by von Danard VincenteWer nichts über den PRISM-Überwachungsskandal mitbekommen hat, lebt sicher in einer nachrichtenfreien Welt außerhalb des Netzes. So wie unsere Politiker bei diesem Skandal rumeiern ist eines klar, wenn wir unsere Privatsphäre im Netz schützen wollen müssen wir selbst aktiv werden. Zuallererst sollte man nicht mehr Google nutzen, um sich über PRISM zu informieren. Nicht umsonst heißt es nicht “Google es” sondern “nutze eine Suchmaschine deines Vertrauens”.

Leider sind alle großen US-Internetkonzerne gezwungen, sich der NSA-Spionage zu beugen. Yahoo hat sich zwar dagegen gewehrt, wurde dann aber von einem Geheimgericht trotzdem zur Überwachung seiner Kunden gezwungen. Dies heißt im Zweifelsfall und ohne Whistleblower bekommen wir von der Spionage gar nichts mit.

Wenn man jetzt Google nicht mehr vertrauen kann muss eine neue Suchmaschine her.

google-notebook - cc-by-nc von Karl FoxleyHier stehen zum Glück gleich drei zur Auswahl. Die ersten beiden Alternativen kommen aus den Niederlanden wo Datenschutz und Netzneutralität noch etwas gelten. Startpage liefer anonymisierte Suchergebnisse von Google. Somit ist Startpage so etwas wie ein Proxy für Suchanfragen an Google, wodurch die eigene Identität verschleiert wird. Ixquick ist eine Metasuchmaschine vom selben Unternehmen. Wobei Metasuchmaschine bedeutet, dass Suchergebnisse von anderen Suchmaschinen anonymisiert geliefert werden. Bei Ixquick sind es Suchergebnisse von Microsoft-Bing, da es abgesehen von Google kaum noch andere große Suchmaschinenanbieter im Internet gibt.

Eine weitere Alternative ist das Seeks-Projekt. In diesem Projekt will man eine komplett unabhängige Suchmaschine aufbauen, die nicht von Staaten zensiert oder Geheimdiensten überwacht werden kann. Als Grundlage soll eine P2P-Vernetzung dienen, sodass über verschiedene Knoten im Internet Suchergebnisse gesammelt, ausgetauscht und gespeichert werden können. Wenn ein Staat einen Knoten abschaltet übernehmen andere seine Arbeit, sodass man niemals die gesamte Suchmaschine abschalten kann. Es sei denn man schafft es das gesamte Internet abzuschalten, was wir alle nicht hoffen. Da das Projekt noch im Aufbau ist, werden im Moment hauptsächlich Google-Suchergebnisse angeboten. Testen kann man die Suchmaschine hier: https://seeks.hsbp.org

Wie wird man Google im Firefox los?

Google zahlt viel Geld an die Mozilla-Foundation dafür, dass Google dort als Defaultsuchmaschine eingestellt ist. Damit Unterstützt Google die Weiterentwicklung des freien Browsers Firefox. Insofern ist Google nicht grundlegend schlecht aber leider nicht mehr vertrauenswürdig.

Um Google wieder los zu werden muss man drei Schritte unternehmen:

1) Die Startseite muss auf eine alternative Suchmaschine eingestellt werden. Man erreicht dies unter Einstellungen->Allgemein.

Firefox Startseite einstellen ...

Firefox Startseite einstellen …

2) Startpage und Ixquick als Add-On nachrüsten.

Startpage als Suchmaschinen-Add-On für Firefox hier klicken.
Ixquick als Suchmaschinen-Add-On für Firefox hier klicken.

Anschließend kann man in der Suchmaschinenauswahl (der kleine Pfeil nach unten) ganz unten auf “Suchmaschinen verwalten…” klicken und die neuen Suchmaschinen ganz nach oben schieben. Bei der Gelegenheit kann man auch gleich alle unsicheren Suchmaschinen löschen.

Firefox Suchmaschinenliste

Startpage und Ixquick nach oben schieben …

3) Als letzten Schritt muss man noch die Suche über die Adresszeile ändern, die auf Google eingestellt ist. Dazu tippt man in die Adresszeile about:config ein. Anschließend muss man einmal bestätigen, dass man vorsichtig ist und kann dann die Änderungen vornehmen. Dazu muss man nach dem Paramter keyword.URL suchen und ihn ändern. Dies erreicht man über einen Doppelklick auf den gefunden Parameter: keyword.URL

Für Seeks lautet der Parameter:

https://seeks.hsbp.org/search?lang=de&q=

Für Startpage lautet der Parameter:

https://startpage.com/do/search?language=deutsch&cat=web&query=

Für Ixquick lautet der Parameter:

https://ixquick.com/do/search?language=deutsch&cat=web&query=
Firefox about:config

keyword.URL im about:config Dialog von Firefox ändern …

Warum nicht die Ente verwenden?

DuckDuckGo ist leider ebenfalls eine US-Firma und kann somit jederzeit von einem Geheimgericht gezwungen werden, seine Nutzerdaten an die NSA zu übermitteln. In ihrem Kleingedruckten weist DuckDuckGo darauf hin, dass sie Daten an Strafverfolgungsbehörden herausgeben. Dagegen können sie sich gar nicht wehren und wegen der Geheimgerichte bekommen die Kunden dies nicht mit. Leider hält sich DuckDuckGo im Bezug auf Cookies nicht an seine eigenen Richtlinien, wie aufmerksame Nutzer herausgefunden haben. Alles dies macht die Ente als Suchmaschine nicht empfehlenswert.

Fazit

Google ist nicht das Internet und sollte nicht die Suchmaschine des Vertrauens sein. Mit den drei einfachen Schritten kann jeder auf vertrauenswürdigere Suchmaschinen umschalten, ohne auf hochwertige Suchergebnisse verzichten zu müssen. Letztendlich ist dies der einzige Schritt, wie man sich gegen die Überwachung wehren kann. Wenn Google die Kunden weglaufen, wird Google sich bei der US-Regierung beschweren und intervenieren. Nur so kann man der verfassungswidrigen Überwachung wirkungsvoll entgegenwirken, denn wir haben schließlich alle ein Recht auf unsere Privatsphäre.
Beim Suchen immer darauf achten, dass man die sichere SSL-Verschlüsselte Variante der Suchmaschine über https nutzt, da ansonsten die Suchanfragen leichter ausspioniert werden können. Leider ist ja bekannt, dass über TEMPORA der gesamte Internetverkehr aufgezeichnet und ausgewertet wird. Mit Verschlüsselung wird die Auswertung etwas schwieriger für die Geheimdienste.

Comments

  • avatar M.S. says:

    “Die ersten beiden Alternativen kommen aus den Niederlanden wo Datenschutz und Netzneutralität noch etwas gelten.”
    sicher insofern richtig, als dort weniger daten abgeschnorchelt werden als in deutschland. allerdings gehörte der niederländische geheimdienst doch zu denjenigen, die direkt von prism profitieren und mit dem NSA zusammenarbeiten, oder?

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  • avatar cne says:

    @M.S.: Absolute Sicherheit gibt es natürlich niemals :( Wenn man von Europa aus eine Suchmaschine in den Niederlanden nutzt, dann werden die Suchanfragen zumindest nicht in die USA geleitet. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass die NSA auch in den Niederlanden alles und jeden überwacht nützt dies natürlich nichts. Dann muss man die Suchmaschine Seeks nutzen, wobei man dort auch nur darauf Vertrauen kann, dass die NSA nicht direkt den Server abhört auf dem Seeks installiert ist.

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  • avatar Ravenbird says:

    Kann es sein das es in aktueleln Firefox Versionen (bei mir Firefox 24) bei about:config keinen Eintrag keyword.URL mehr gibt?

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  • avatar cne says:

    @Ravenbird: Das ist völlig ausgeschlossen. Habe gerade mit einer Firefox-Version 24 den Eintrag gefunden und konnte die Anleitung oben im Blogpost problemlos durchführen. Man muss auch nicht alles abtippen. Wenn man keyword eingibt, ist es bereits der erste Parameter, der angeboten wird.
    Ansonsten gibt es hier eine Anleitung von Firefox, wie man den “about:config”-Bereich aufruft: http://kb.mozillazine.org/About:config

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  • avatar Ravenbird says:

    Ich weiß schon wie man about:config aufmacht. Aber bei mir kommt der Eintrag trotzdem nicht:

    http://i.imagebanana.com/img/60n2em06/firefoxkeyword.png

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  • avatar herr günni says:

    Ich brauch doch garnicht ins about:config, über die adresszeile wird immer in der suchmaschine gesucht die in der suchmaschinenleiste eingestellt ist.

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  • Ich verwende baidu jetzt. Ist es sicher?

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