Karten bestimmen unser Weltbild

KarteWie unsere Welt als Karte aussieht sollte jedem Menschen, der die Möglichkeit hatte eine Schule zu besuchen, bekannt sein. Spätestens seit Satelliten die gesamte Erdoberfläche fotografiert und vermessen haben, gibt es keine weißen unbekannten Flecken mehr. Es gibt zwar unbewohnte Inseln fernab jeder Schifffahrtslinie, dennoch kann man sich sicher sein, dass diese Inseln existieren. Das Wissen über unseren Planeten und die Karten haben unser Weltbild verändert, doch dies war ein langjähriger teilweise schmerzhafter Prozess.

Heute ist man gewöhnt eine rechteckige Projektion der Erdoberfläche in Nord-Süd-Ausrichtung, als Karte zu verwenden. Dies führt aufgrund unseres eher kugelförmigen Planeten zu einer Verzehrung an den Polen. Deswegen werden Grönland und die Antarktis überproportional groß dargestellt.

Erdoberfläche

Die Erdoberfläche als Rechteck dargestellt ist die heute gebräuchliche Kartenform.

Die oben abgebildete Weltkarte bestimmt heute unser Weltbild und wenn man sie in den Nachrichten sieht, kann man leicht zumindest grob die Region zuordnen in der sich das Geschehen abspielt.

Um 1300 sahen die Karten wegen anderer Bezugspunkte völlig anders aus.
Mit unserem heutigen Weltbild sieht die Karte so fremd aus, dass man auf den ersten Blick überhaupt nichts zuordnen kann.

mappa mundi

Eine mappa mundi ist eine mittelalterliche Weltkarte in der Tradition europäischer Kartografie.

Die obige Karte ist eine sogenannte Radkarte, deren Darstellungsform von den Römern übernommen wurde. Oben wird Asien dargestellt, unten links Europa und rechts daneben Afrika. In der Mitte unten befindet sich das Mittelmeer. Damit folgt die Karte einer Ost-West-Ausrichtung. Im Mittelpunkt der Karten der damaligen Zeit, war immer Jerusalem zu finden.

Wenn man als zentralen Punkt der Darstellung nicht die bewohnten Kontinente nimmt sondern die Meere erhält man folgende Karte, die die Pole richtig abbildet, dafür aber Amerika und Asien ungewohnt verzerrt darstellt.

Im Zentrum heutiger Weltkarten steht Europa. Von Europa aus wurde die Welt entdeckt und lange Zeit beherrscht. Doch längst haben sich andere Machtzentren etabliert. In der einzigen verbliebenen Supermacht auf diesem Planeten werden gerne Karten verteilt, wo Amerika im Zentrum ist und Asien dafür in zwei Teile zerschnitten wird. Hieraus ergab sich im kalten Krieg ein Problem, da sich alles um die Herrschaft in Europa drehte. Von den USA aus gesehen, war der gute Westen im Osten und der böse Osten im Westen.

Am Anfang bestand die bekannte Welt aus dem Mittelmeerraum. Seefahrerkarten waren geheim, da sie ein Mittel der Macht darstellten. Man hat heute zumindest theoretisch bewiesen, dass ägyptische oder phönizische Schiffe in der Lage gewesen wären, Amerika zu erreichen aber einen Beweis dafür hat man bis heute nicht gefunden. In Amerika gefundene Artefakte der damaligen Hochkulturen können heute nicht mehr mit Gewissheit zugeordnet werden, da sie während der Besiedlung der neuen Welt mitgebracht worden sein könnten. Es gibt aber auch keinen Beweis, der dagegen spricht.

Gewissheit herrscht aber darüber, dass die Menschheit in der Lage war mit primitiven Booten und ohne Kartografie, entlegenste Inseln im Pazifik zu besiedeln. Die Hawaii-Inseln betrieben Seehandel mit Inseln, die über 1000 Seemeilen entfernt waren. Nachts orientierten sich die Seefahrer an den Sternen und tagsüber an Vögeln und Wellen. Eine Seemännische Meisterleistung ohne GPS und Karte.

Wer hat Amerika entdeckt?

Ganz klar die amerikanischen Ureinwohner, die fälschlicherweise Indianer genannt werden, da Kolumbus dem die Entdeckung zugeschrieben wird dachte er hätte den Seeweg nach Indien gefunden.

Die Entdeckung von Kolumbus sorgte für Aufsehen und führte dazu, dass die damaligen Kolonialmächte Spanien und Portugal die Welt untereinander aufteilten.

Karte Portugiesisch-Spanischer-Vertrag - cc-by-sa von Lencer

Spanien und Portugal teilen die Welt unter sich auf.

Portugal war zu dem Zeitpunkt schon im Besitz einer Seefahrtsroute nach Indien um Afrika herum. Der indische Ozean war aber noch weitestgehend unerforscht und Australien noch nicht entdeckt. Deswegen sprachen die Spanier großzügig Afrika, Asien und Australien den Portugiesen zu, zumal man während des Vertragsabschlusses noch glaubte Indien würde sich im spanischen Bereich der Aufteilung befinden.

Erstaunlich ist es, dass Portugal diesen Vertrag nachverhandelte und eine geringfügige Verschiebung erreichte, die dazu führte, dass das heutige Brasilien im portugiesischen Bereich landetet. Mutmaßlich war eine portugiesisches Schiff bei der Umrundung von Afrika vom Kurs abgekommen und hatte dabei die brasilianische Küste entdeckt. Die Spanier kannten zu dem Zeitpunkt nur den Küstenverlauf einiger karibischer Inseln und stimmten somit zu, da sie dachten den Portugiesen nur mehr Ozean zu übertragen.

Für Spekulationen sorgt die Karte des Piri Reis.

Karte des Piri Reis

Die Karte des Piri Reis zeigt den Küstenverlauf von Amerika.

Durch Eroberung von portugiesischen Stützpunkten auf der arabischen Halbinsel wurde das Wissen erlangt, um diese Karte anzufertigen. Einige glauben in den südlichen Küstenverläufen am unteren Ende der Karte, die damals noch nicht entdeckte Antarktis zu erkennen. Wie man auf der Karte erkennt geht die Spitze Südamerikas nahtlos in die Antarktis über. Dies könnte ein absichtlicher Trick der Portugiesen gewesen sein, denen die Spitze Südamerikas sicher bekannt war. Man wollte die Spanier davon abhalten weiter einem Seeweg, nach Indien zu suchen. Indem man Karten verbreitete, die einen Seeweg um Südamerika herum ausschlossen. Der Bereich am unteren Ende der Karte ist somit wahrscheinlich eine List der Portugiesen, die damals nicht in der Lage gewesen wären, die eisfreie Küste der Antarktis zu kartografieren.

Afrika war abgesehen von den Küstenverläufen lange Zeit ein weißer unbekannter Fleck für europäische Karten.

Afrika Karte um 1812

Afrika bestand aus europäischer Sicht lange Zeit abgesehen von den Küstenregionen aus unbekannten weißen Flecken auf der Karte.

Dies führte dazu, dass Kolonialmächte die unbekannten Flecken einfach in Besitz genommen haben. Die Menschen, die zufällig in diesen Gebieten anzutreffen waren wurden als Wilde bezeichnet. Ihnen wurden die Menschenrechte verwehrt; schließlich hatten sie keine Karten mit denen sie einen Besitzanspruch auf ihr Land untermauern konnten. Entweder wurden sie vertrieben oder versklavt. Die in Afrika mehr oder weniger willkürlich gezogenen Grenzen sind noch heute Quelle für Kriege und Leid in der einheimischen Bevölkerung.

Grenzverläufe in Karten können ein politisches Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugen aber sie können auch ausgrenzen. Dabei waren Grenzverläufe in Karten schon immer ein politischer Spielball der Mächtigen. Den einfachen Menschen waren die unsichtbaren Grenzen häufig egal. Der Grenzverlauf der englischen Kolonien und des französischen Kanadas unterschieden sich deutlich auf den Karten der Länder. Noch heute sind Grenzen auf einer Karte Ausdruck politischer Macht. So wird in China Tibet und Taiwan dazugezählt. In der chinesischen Presse werden die olympischen Medaillen von Taiwan nicht extra gezählt. Als Mao die Macht in China übernahm flüchtete sich die damalige Regierung nach Taiwan. China hat einer Abspaltung von Taiwan aber nie zugestimmt. Taiwan hingegen sieht sich als eigenständigen Staat und bekräftigt dies mit Hilfe der USA. Deswegen werden im Westen Karten verbreitet, in denen Taiwan als eigenständiger Staat markiert ist. Nach dem Völkerrecht kann Taiwan irgendwann mit Hilfe dieser Karten seinen Status als Gewohnheitsrecht bekräftigen.
Kleine vergessene Inseln werden häufig zu Problemfällen sobald man wertvolle Bodenschätze entdeckt. Die Staaten versuchen dann zumeist mit historischen Karten und Grenzverläufen, ihren Besitzanspruch zu bekräftigen.

Wie Grenzen entstehen zeigt die Karte von Europa die den Schengenraum markiert. Es wird relativ willkürlich eine Grenze durch das Mittelmeer gezogen. Die Süddeutsche schreibt ganz zutreffend über diesen Grenzverlauf:

Das Mittelmeer, ein Friedhof der Menschenrechte

Viele Menschen verunglücken und ertrinken im Mittelmeer, beim Versuch diesen Grenzverlauf zu überwinden und von Afrika aus, mit dem Boot nach Europa einzureisen. Die Grenzschützer stehen im Verdacht, schiffbrüchigen Flüchtlingen nicht zu helfen [1].

Wenn wir die Geschichte fast 2000 Jahre zurückdrehen sehen wir, dass sich Europa nicht immer gegen die nordafrikanische Küste abgegrenzt hat. Das römische Weltreich umspannte die gesamte Mittelmeerküste.

Römisches Weltreich

Das Römische Reich in seiner Blütezeit. Das Mittelmeer und seine Küstenregionen stellen das Zentrum der damals bekannten Welt dar.

Comments

  1. Schön aufgedröselt der Artikel. Wir lassen uns zu leicht von den Medien manipulieren und ein Atlas gehört dazu und Grenzen sind nach den Menschenrechten eh überflüssig …

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  2. Ich glaube der Seeweg nach Indien wurde erst nach der Entdeckung von Kolumbus entdeckt. Aber toller lesenswerter Artikel.

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  3. Der Artikel ist wirklich toll und informativ, mein Großvater war Kartenzeichner.

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