Die Euro-Krise wird verwaltet aber nicht gelöst …

Deutsche BundesbankIm Rahmen des Forums Bundesbank erläutert die Deutsche Bundesbank ihre Arbeitsweise und Aufgaben. Am 8. April hat Frau Christine Glockmann Leiterin der Abteilung Marktoperationen im Zentralbereich Märkte vorgetragen wie Geldpolitik funktioniert.
Dabei ist sie hauptsächlich auf die Krisenbewältigung ab Ende 2007 eingegangen und hat erklärt mit welchen Mechanismen die Bundesbank versucht hat, die Krise zu bewältigen.

Frau Glockmann begann mit folgendem Zitat, das prägend für ihren Vortrag war:

Alle wollen wissen wie die Geldpolitik funktioniert und ich wünschte manchmal ich wüsste es selbst.

Während ihrer Power-Point-Präsentation tippte sie immer wieder hastig auf ihrem Laptop herum, wenn die Präsentation wieder schneller ablief als sie es wollte. Sie gab dann zu, dass einige Folien mit Animationseffekten von ihren jungen Mitarbeitern stammten, die sich mit Computern besser auskennen würden und die Grafiken und Tabellen, die so klein waren, dass man sie kaum lesen konnte von ihr wären.

Ziel der Bundesbank ist es ein möglichst stabiles Zinsniveau zu gewährleisten, um die Wirtschaft möglichst ungehindert wachsen zu lassen. Dafür gibt es bestimmte Standardmechanismen, wie das Absenken der Zinsen oder der Aufkauf von Pfandbriefen und Staatsanleihen. Doch man merkte nach wenigen Tagen, dass sich die Krise nicht wie üblich stabilisierte. Über ein Notfalltelefon ist die Bundesbank mit den anderen Zentralbanken im Euroraum verbunden. So konnte man sich problemlos absprechen und beraten. Üblicherweise handelt die Bundesbank nur mit 25 Banken im deutschen Raum. Die Krise machte es aber erforderlich mit 600 Banken zu handeln, um beim Aufkauf von Papieren, nicht bestimmte Banken zu bevorteilen. Hier lobte Frau Glockmann das tolle überdimensionierte EDV-System, das problemlos auch 600 Banken bewältigen konnte.

Christine Glockmann - Leiterin der Abteilung Marktoperationen der Deutschen BundesbankEine weitere Herausforderung war die Versorgung der Banken mit Dollar. Die us-amerikanischen Banken vertrauten dem Ausland nicht mehr und einige Banken drohten pleite zu gehen, wegen mangelnder Dollar-Vorräte. Die Europäische Zentralbank richtete also in den USA bei der FED ein Dollarkonto ein und die Bundesbank verteilte die Dollar an die deutschen Banken. Frau Glockmann betonte welche Herausforderung es doch für die Bundesbank war, jetzt auch ein Dollarkonto zu verwalten, da man zuvor nur in Euro gehandelt hat. Ein Woche hat man sich hierfür intensiv beraten. Jeder andere Finanzdienstleister kann da wohl nur mit dem Kopf schütteln.

Lobend erwähnte Frau Glockmann ihre Abteilung, die kaum aufgestockt wurde aber jetzt viel mehr arbeiten muss also wesentlich produktiver geworden ist. Zur Wochenmitte wird die Abteilung von einigen Teilzeitkräften unterstützt.

Die Fragen am Ende des Vortrages zeigten, dass sich das Publikum mehr erhofft hatte. So musste sie zugeben, dass nicht nur die Zentralbanken Geld aus dem Nichts erschaffen können, sondern jede Bank in Abhängigkeit von geringeren Einlagen durch Kredite Geld erschaffen kann. Sie musste eingestehen, dass die Bundesbank keinerlei Kontrolle über das Geld hat, das mit niedrigen Zinsen den Banken geschenkt wird. Eine Kontrolle ist nun mal nicht vorgesehen und wird deswegen nicht ausgeübt. Natürlich soll das Geld zur Förderung der Wirtschaft eingesetzt werden, es kann aber auch für Spekulationen genutzt werden oder in Steueroasen abfließen. Eine weitere Frage aus dem Publikum war daraufhin, ob eine Trennung von Investment- und Geschäftsbanken dann nicht sinnvoller wäre, weil die Geschäftsbanken das Geld eher in die gewünschte Richtung fließen lassen würden. Hier wurde eingeräumt, dass es früher in den USA eine solche Trennung gab und als diese Aufgehoben wurde die Krise begann. Insofern könnte die Aufhebung mit ein Grund für die Krise sein. In Europa gab es eine solche strickte Trennung allerdings nie und deswegen würde man nicht darüber nachdenken.

Man hat das Gefühl, dass die Bundesbank die Euro-Krise gut und fleißig verwaltet aber irgendwelche Lösungsansätze suchte man im Vortrag vergeblich. Dabei hat Frau Glockmann mehrmals erwähnt wie schlimm die Krise ist und wie die üblichen Mechanismen nicht wie sonst nach wenigen Tagen gewirkt hätten.

Fazit

Die Euro-Krise wird verwaltet und das nicht einmal schlecht, doch an der Lösung arbeitet anscheinend niemand. Bundeskanzlerin Merkel hat bereits verlautbaren lassen, dass sie vor der Bundestagswahl keine unpopulären Entscheidungen mehr treffen wird, insofern wird die Verwaltungsarbeit noch mindestens bis zur Wahl weitergehen.

Die Lösung der Euro-Probleme in Zypern hat gezeigt wie man sich langsam an die Sollbruchstelle der Steuerzahler, die die Krise finanzieren, herantastet. Zuerst hat man die Banken geschlossen und sich dann von 10% Enteignung der Sparguthaben bis zu 40% hochgearbeitet. Gleichzeitig blieben aber die Auslandsfilialen der Banken auf Zypern geöffnet, sodass Alle mit Auslandskonten ihr Geld abziehen konnten. Erwischt hat es somit nur den Mittelstand auf Zypern, der sein Geld nicht ins Ausland abziehen konnte und das Bundesland Brandenburg wegen Unfähigkeit. Solche Enteignungen wie in Zypern können jedes Land in der Euro-Zone treffen, dies bestätigte die Europäische Zentralbank.

Insofern wird kräftig weiter spekuliert, weil es keine Kontrolle über die Geldmengen gibt, die an die Banken verteilt werden. Gewinne werden privatisiert und fließen in Steueroasen ab, während der Steuerzahler für die Verluste aufkommt. Die Reichen lassen es sich in der Oase gut gehen, während der Steuerzahler in der Wüste langsam zu Grunde geht. Dieses System muss eher früher als später scheitern. Gewinne aus dem Sekundenhandel, der geringe Währungsschwankungen ausnutzt, tragen nun mal nicht zur Förderung der Wirtschaft bei. Solche Spekulationen können wir nur mit Schulden finanzieren und die Zinslast wird irgendwann die Wirtschaft zum Stillstand bringen.

Comments

  1. Ich finde es erstaunlich, dass die Bankmanager trotz der enormen Verluste auch noch Milliardenbonuszahlungen erhalten:

    http://www.handelszeitung.ch/unternehmen/25-milliarden-verlust-25-milliarden-bonus
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-verteilt-milliarden-boni-in-der-investmentsparte-a-894472.html

    Ich dachte immer, der Bonus wird nur bei Gewinn ausgezahlt aber anscheinend sind die Bonuszahlungen föllig unabhängig von der Arbeitsleitung der Manager. Letztendlich machen die Banken ja sowieso Gewinn, wenn sie den nicht erwirschaften zahlt halt der Steuerzahler. Diese Gelder werden dann als Gewinne an die Investoren und Bonuszahlungen an die Manager ausgechütet. Sieht für mich wie Betrug und Erpressung aus, schließlich hat die Deutsche Bank der Justiz schon einmal unverholen gedroht mit einer weiteren Finanzkrise falls sie verurteilt wird:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bgh-prozess-um-zinswetten-deutsche-bank-anwalt-warnt-vor-zweiter-finanzkrise-a-744223.html

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  2. Mit welchem Recht müssen sich ALG-II-Empfänger von den Behörden durchleuchten lassen und sogar Kontrolleure in die Wohnung lassen, die die Wohnungsgröße und den Beziehungsstatus überprüfen und die Banken nicht.

    Die bekommen einfach Geld vom Steuerzahler, dürfen weiterhin hohe Bonuszahlungen an die Manager leisten, ihr Vermögen behalten und weiterhin nur Verluste erwirtschaften.

    Dieser Beitrag zeigt sehr deutlich was ich meine:
    https://www.youtube.com/watch?v=IhKKAb89k9c

    Rettet endlich notleidende Menschen und keine notleidenden Banken, denn die gibt es gar nicht :( :( :( :(

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  3. Egal um welche “KRISE” es geht, im Verwalten wahr unsere Regierung schon immer unschlagbar. Deshalb nennt man Hartz IV auch VERWALTETE Armut. Auch kann ich mich nicht erinnern, sagen zu können, das CDU und CSU jemals eine Krise erfolgreich bewältigt, bzw. deren Ursachen erfolgreich bekämpft haben.

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  4. Wieso im speziellen Bankmanager große Prämien und Boni ausbezahlt bekommen, obwohl sie und ihre Kollegen nachweisbare Schäden anrichten, ist höchst bedenklich. Anscheinend wird dort mit zweierlei Maß gemessen. Wenn ein leitender Angestellter in einem privaten Unternehmen durch Fehlentscheidungen Schaden anrichtet, kann ihm doch daraus nicht auch noch eine Bonifikation ausbezahlt werden.

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