Beispiel für eine “Filter Bubble” vor Erfindung des Internets …

Kuba - cc-by-nc-sa von @Doug88888In einem vorherigen Artikel habe ich bereits beschrieben, dass das Phänomen der “Filter Bubble” nicht auf das Internet beschränkt ist. Vielmehr ist es so, dass wir schon immer in einer von den Massenmedien gefilterten Welt gelebt haben. Über das Internet verstärkt sich dieses Problem aber das Internet ist auch das Werkzeug mit der wir den Filter durchbrechen können. Anhand der Kubakrise im kalten Krieg kann man eine “Filter Bubble” lange vor der Erfindung des Internets sehr gut verdeutlichen.
Das Faszinierende daran ist, dass sich dieser Filter sogar positiv ausgewirkt hat für alle Beteiligten.

Die Kubakrise von 1962 wurde durch die Entdeckung von Abschussvorrichtungen für Kurzstreckenraketen der damaligen Sowjetunion von US-Spionageflugzeugen ausgelöst. US-Präsident Kennedy traf sich im Weißen-Haus mit seinem Krisenstab. Ärgerlich soll er gesagt haben, dass die Raketen in Kuba so dicht vor der US-Küste eine Frechheit wären, genauso als würden die USA solche Raketen in der Türkei stationieren. Kleinlaut vermeldete ein General, dass die USA dies schon längst getan hätten. Kennedy lebte in seiner eigenen gefilterten Welt in er die Kommunisten die Bösen waren. Er bemerkte gar nicht, dass die USA die Sowjetunion ebenso bedrohten durch ihre Stützpunkte in Europa, der Türkei und in Japan.

Die USA verhängten eine Seeblockade über Kuba und versetzen ihre Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Die Welt hielt den Atem an und am Ende lenkte die Sowjetunion ein und zog die Raketen aus Kuba wieder ab. So wurde es damals in den westlichen Massenmedien berichtet und so steht es auch in unseren Geschichtsbüchern. Kennedy hatte durch diplomatisches Geschick einen Atomkrieg verhindert und war als strahlender Sieger aus dem Konflikt hervorgegangen. Niemand berichtete im westlichen Filter welchen Kompromiss er dafür eingegangen war.

In den Massenmedien des Ostens wurde der Konflikt ganz anders dargestellt. Dort wurde nämlich darüber berichtet, dass die Sowjetunion die USA dazu gezwungen hatten ihre Kurzstreckenraketen aus der Türkei abzuziehen.

So konnte jede Supermacht in ihrem Filterbreich sich selbst als Sieger darstellen. Da damals die Ost- und Westmedien total voneinander getrennt operierten fiel niemanden auf, dass es nur Sieger gab und nicht über die Kompromisse berichtet wurde.

Im heutigen Informationszeitalter, wo man im Internet ständig mehrere unabhängige Quellen im Zugriff hat, wäre so etwas nicht mehr möglich gewesen.

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