Ist unsere Gesellschaft noch kritikfähig?

Ich bin wie Obama; ich will Veränderung!In England bloggte eine Schülerin über das eintönige häufig ungesunde Essen an ihrer Schule. Es bestand hauptsächlich aus Pommes und Fischstäbchen und sie machte auch Fotos vom Essen. Anstatt jetzt über die Kritik nachzudenken, verbot ihr die Schulbehörde weiter über das Schulessen zu bloggen.
Es kam wie es kommen musste und der “Streisand-Effekt” setzte ein. Es kam zu einer riesigen Protestwelle über das Internet.

Dies führte dann letztendlich zur Einsicht, dass Zensur nicht der richtige Weg ist und man setzte sich mit der Kritik auseinander.

Muss man also immer erst den ganz großen Protest über das Internet starten, bevor die Kritik beim Kundenservice überhaupt wahrgenommen wird?

Es scheint so, denn Netzprobleme bei O2 wurden vom Kundenservice immer als bedauerliche Einzelfälle abgetan. Erst als ein genervter Blogger und O2-Kunde seinem Ärger im Internet Luft machte, begann der O2-Kundenservice sich, um das Problem zu kümmern.

Als ich meinen DSL-Anbieter gewechselt habe, habe ich in meinem Kündigungsschreiben vermerkt, warum ich unzufrieden bin. Trotzdem wurde ich angerufen und nach dem Grund gefragt. Auf meinen Frage, ob man sich denn mein Kündigungsschreiben nicht durchgelesen hätte, wurde mir geantwortet, dass dieses nur archiviert wird. So kann man den Kundenservice natürlich nicht verbessern.

Häufig sende ich meine Kritik am Service auch per Email an die Konzerne ab. Einige der größten schreiben mir dann zurück, ich möge doch beim Kundenservice anrufen. Dort treffe ich dann immer auf überforderte Mitarbeiter, die von nichts eine Ahnung haben und auch gar nicht wissen wohin sie die Kritik weiterleiten sollen. Also landet die Kritik im Papierkorb und die Emailantwort ist nur ein Standardschreiben ohne dass irgendjemand auch nur an der Kritik interessiert ist.

Wer schon einmal einem Politiker geschrieben hat, wird sich wahrscheinlich auch über eine nichtssagende Standardantwort geärgert haben.

Wenn man dann seinem Ärger im Internet Luft macht wird meistens zuerst versucht diese zu Verbieten. Häufig wird das Urheberrecht missbraucht, um Kritik im Netz zu zensieren. Demnächst gibt es noch das Leistungsschutzrecht mit dem Verlage unliebsame Blogger zensieren können. Das Leistungsschutzrecht wirkt so unausgegoren, dass es eher wie ein Konjunkturpaket für Anwälte anmutet, sodass man dick Kasse machen kann im Internet. Von der angeblichen Gleichheit vor dem Gesetzt bliebt da auch nicht viel übrig. Welcher Blogger kann es sich schon leisten gegen die Rechtsabteilung eines globalen Konzernes zu prozessieren.

Bleibt die Frage, wie kritikfähig unsere Gesellschaft überhaupt noch ist?

Unsere Politik kritisiert zwar häufig die angebliche Zensur in China, aber bei uns werden ähnliche Zensurmethoden angewendet, wenn es um Kritik geht. Die Konzerne wollen nur kassieren und einen möglichst schlanken Kundenservice unterhalten. Hier greift der angeblich freie Markt auch nicht, der sich angeblich selbst reguliert. Wenn sich nämlich alle Konzerne absprechen und einen gleichbleibend schlechten Service liefern, kann der Kunde nicht ausweichen. Die einzige Möglichkeit Aufmerksamkeit und damit Besserung zu erhalten. ist dann eine große Protestwelle im Internet zu starten.

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