Katholische Kirche verletzt vorsätzlich die Menschenrechte

Katholische Kirche - cc-by-nc-sa v2.0 von Kirchengemeinde St. Bonifatius BerlinEs gibt bereits ein Urteil vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, das eine Kündigung wegen Ehebruch gegen die Menschenrechte verstößt. Die Menschenrechte sind dem Vatikan wohl vertraut [1] [2], denn er selbst fordert oft die Einhaltung dieser Rechte. In seiner Rede vor der UNO war das Wort “Menschenrechte” gar das am häufigsten verwendete von Papst Benedikt XVI. Trotzdem ist die katholische Kirche nicht gewillt, sich an das Urteil zu halten und hat erneut in Königswinter (in der Nähe von Bonn) eine Kindergärtnerin wegen Ehebruch gekündigt.

Hintergrund ist bekanntlich die Kündigung, die die Kirche der Kindergartenleiterin B. Knecht zum Sommer dieses Jahres ausgesprochen hat, weil sie sich von ihrem Mann getrennt hat und nun mit einem neuen Partner zusammen lebt.

In diesem Fall hat sich die Stadt aber gewehrt und der Kirche daraufhin die Trägerschaft für den Kindergarten gekündigt. Dies macht die Menschenrechtsverletzung gegenüber der Kindergärtnerin aber nicht ungeschehen.

“Zumindest Licht am Ende des Tunnels” sah P. Jung, Sprecher der Elternschaft, gestern nach der Entscheidung (gemeint ist die Kündigung der Trägerschaft). Aber: “Für Frau Knecht ist das keine Lösung, zum 30. Juni läuft ihr Arbeitsverhältnis aus.

Es ist sehr schade, dass in dem Artikel nicht ein Wort über die Verletzung der Menschenrechte fällt. Dies zeigt wie unbekannt diese wichtigen Rechte den Menschen und der Presse sind. Diese Unwissenheit können Politiker und Vatikan ausnutzen, um ihre Macht zu missbrauchen.

Außerdem wirft diese Problematik ethische und philosophische Fragen auf. Wie allwissend und allmächtig kann ein Gott sein, der in seinen 10 Geboten die Menschenrechte verletzt? Bei dem Verbot keine anderen Götter anzubeten, kann man keinen direkten Vorwurf formulieren, da die Bibel als Regelwerk für die Religionsgemeinschaft der Christen geschrieben wurde und nicht für alle Menschen. Der Anspruch der Bibel ist also geringer im Gegensatz zu den Menschenrechten, die weltweit, überall und für alle Menschen jederzeit gelten sollten.

Das Gebot, das den Ehebruch verbietet, wirkt schon schwerer. Letztendlich muss jeder Christ selbst entscheiden in wie weit die 10 Gebote für ihn gelten. Die katholische Kirche hat jedenfalls kein Recht die 10 Gebote über die Menschenrechte zu stellen, zumal sie selbst die Missachtung dieser Rechte anderen zum Vorwurf macht. Eine Doppelmoral, die man auch in der internationalen Politik, im Bereich Menschenrechte leider allzu oft antrifft.

Dabei vergibt der Vatikan doch selbst die abscheulichsten Verbrechen – aber leider nur den Seinen. So bekam der des Kindesmissbrauchs verdächtigte Ex-Bishof Mixa eine Beraterposition beim Vatikan.

[UPDATE]
Bundesbedenkenträger hat in einem Blogeintrag meinen Beitrag oben kritisiert. Grundsätzlich freue ich mich über jede Kritik, warum sonst sollte ich einen Blog im Internet schreiben. Kritiker sind Freunde, die dir Verbesserungsvorschläge unterbreiten wollen.

Ein Punkt der Kritik vom Bundesbedenkenträger zu dem ich Stellung nehmen möchte ist:

Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, dass eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt.

Diese Kritik ist richtig und bezieht sich auf folgenden Abschnitt im besagten SPON-Artikel:

In einem zweiten Fall billigten die Richter eine Kündigung wegen außerehelicher Beziehungen: Die Entlassung des Mormonen sei kein Verstoß gegen die Menschenrechte, weil er als Chef der Öffentlichkeitsarbeit die Glaubensgemeinschaft in herausragender Position nach außen vertreten habe. Die Arbeitsgerichte hätten zudem alle wesentlichen Gesichtspunkte berücksichtigt.

Jetzt war ich der Meinung, dass eine Kindergärtnerin eher als einfache Angestellte zu werten ist und deswegen eher mit dem besagten Chorleiter (siehe SPON-Artikel) vergleichbar ist, wo das Gericht eine Menschenrechtsverletzung durch die Entlassung sah.

Letztendlich sollte aber jedem klar sein, dass ich kein Richter bin und nur ein Richter urteilen kann, ob wirklich eine Menschenrechtsverletzung vorliegt.

Wenn ihr euch umfassend informieren wollt, dann tut dies immer aus mehreren unabhängigen Quellen und bildet den Mittelwert. Das ist ganz wichtig im Internet und keiner einzelnen Quelle sollte man blind vertrauen. Ich wollte bei meiner Kritik an der katholischen Kirche diesen Punkt nicht unterschlagen und hielt ihn nur für nicht relevant. Dies kann man auch anders sehen, wie die Kritik vom Bundesbedenkenträger zeigt.

Comments

  1. Ich habe noch eine Hintergrundinformation zu dem Fall. Der neue Freund der Kindergärtnerin ist ein hohes Tier im Stadtrat. Da fragt man sich doch, ob es auch zur Kündigung der Kirche gekommen wäre, wenn der neue Freund ein ganz normaler Kerl gewesen wäre?
    Auf der anderen Seite sollte die Kirche etwas besser nachdenken bei den vielen Skandalen, die sie produziert. Wer die Einhaltung von Menschenrechten bei anderen fordert, sollte sie selbst so gut wie möglich befolgen. Dazu muss man nur in die Bibel schauen: “Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein!” Leider feuert der Vatikan aus allen Rohren ohne über seine eigenen Verfehlungen nachzudenken. Wenn man sich die Geschichte des Vatikans anschaut hat aber leider schon immer gegolten, dass die Bibel nur für die einfachen Gläubigen gilt, nicht aber für die Oberen und noch lange nicht für den Papst :(

    ReplyReply

    Well-loved. Like or Dislike: Thumb up 5 Thumb down 0

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Subscribe without commenting