Sucker Punch ist kein Film, der in irgendeiner Weise mit den Maßstäben des realistischen Erzählens gemessen werden könnte. Der Regisseur Zack Snyders hat ein neues Genre erschaffen, das man am ehesten mit einem Rausch an Bildern, dem Überfilm beschreiben kann. Sucker Punch kombiniert die Actionszenen aus „Matrix“ mit irrealen Fantasiewelten wie in „Inception“ oder „Shutter Island“. Die ganze Geschichte wird verworren wie in „Memento“ erzählt und sieht so fremdartig aus wie in “Sky Captain and the World of Tomorrow“. Darüber hinaus werden Fantasy-, Horror-, Psycho- und Krimi-Elemente kombiniert. Mit Garantie ist es aber ein Film, wie man ihn noch nie zuvor gesehen hat.
Der Anfang beginnt düster in knapp geschnittenen Szenen. Es wird ein schmutziger Kindesmissbrauch erzählt. Zwei Schwestern kommen nach dem Tod der Mutter zum bösen Stiefvater. Dieser drangsaliert beide und tötet die Jüngere. Die Ältere wird schwer traumatisiert und flieht. Der Stiefvater schiebt ihr den Tod der jüngeren Schwester in die Schuhe und lässt sie in eine Irrenanstalt einliefern. Dort will er sie lobotomieren lassen, um ihr Gedächtnis zu löschen, damit sie ihn nicht doch noch als Mörder verraten kann.
Das Mädchen erhält in der Anstalt den Spitznamen Babydoll und flüchtet sich sogleich in eine Traumfantasie. Die Irrenanstalt wird zu einem Bordell. Die anderen Insassinnen werden zu Kolleginnen und sind bordelltypisch durchweg jung, hübsch und leicht bekleidet. Alle werden von schmutzigen, sadistischen und degenerierten Wärtern ausgebeutet.
Babydoll wird unmissverständlich klar gemacht, dass sie zu funktionieren hat, oder ihr Wert auf null sinken würde. Sie soll tanzen, um zu zeigen, was sie kann und ob sie zum Anheizen des Etablissements taugt. Als Babydoll zu tanzen beginnt, taucht sie in eine weitere Traumwelt ein, die sich aber jetzt durch mehr Farbe und surreale Eigenschaften von dem bisherigen düsteren Geschehen abhebt.
Sehr schnell entfaltet sich jetzt der Kern der Geschichte. Ein Weiser in einer mittelalterlichen japanischen Welt erzählt ihr, dass sie fünf Tage Zeit hat, um von diesem Ort zu fliehen. Für ihre Flucht braucht sie bestimmte Gegenstände, die sie innerhalb dieser Zeit beschaffen muss.
Mit vier weiteren Insassen plant Babydoll daraufhin die Flucht aus der Anstalt. Alles spielt sich auf insgesamt drei Realitätsebenen ab, die sich gegenseitig beeinflussen, und zwischen denen die Mädchen recht frei hin- und herreisen können. Der Film erinnert damit stark an den Traumthriller „Inception”, wirkt aber besser und konsequenter durchdacht, weil die irrealen Träume, auch wenn sie verrückter sind, ernster genommen werden und klar erkennbaren Einfluss auf die anderen Realitätsebenen haben. Außerdem versucht Sucker Punch keine künstliche Ordnung zu schaffen oder fein säuberlich aufzuräumen, am Ende passt einfach alles zusammen.
Der Kampf führt die Mädchen gegen deutsche Zombie-Soldaten, Ritter, Orks, Drachen und in der Zukunft gegen Roboterpolizisten. Wie in „Sky Captian“ werden aber traditionelle Welten mit unüblichen Elementen entstellt. So kämpfen sie in der Fantasy-Welt der Ritter und Drachen mit Waffen aus dem zweiten Weltkrieg.
Das Ende scheint vorherbestimmt und entwickelt sich dann doch ganz anders. Es ist nur sehr bedingt, als „Happy End“ zu bezeichnen.
| Film: | Sucker Punch – USA – 110 Minuten – FSK 16 |
| Kino-Start: | Deutschland – 31. März 2011 |
| DVD-Start: | Deutschland – 05. August 2011 – Bunosmaterial: Animierte Kurzfilme über die vier Fantasy-Welten + Behind the Soundtrack |
| Regie: | Zack Snyder |
| Besetzung: |
Emily Browning – BabydollAbbie Cornish – Sweet Pea Jena Malone – Rocket Vanessa Hudgens – Blondie Jamie Chung – Amber Oscar Isaac – Blue Carla Gugino – Madam Gorski Jon Hamm – High Roller Scott Glenn – der Weise |
