Nach den Protesten der Occupy-Bewegung vom 15. Oktober auf dem Rathausmarkt in Hamburg hat sich ein kleine Gruppe von Demonstranten dazu entschlossen, vor der HSH-Nordbank zu zelten. Die HSH-Nordbank hatte im Zuge der Finanzkrise die Haushalte von Hamburg und Schleswig-Holstein stark belastet und gilt unter den Protestlern als eine der Pleitebanken, die es zu bekämpfen gilt.
Das Protestcamp ist etwas versteckt und wenn man die Mönckebergstraße entlang geht kaum zu sehen. Die Protestcamper sind überwiegend sehr jung. Viele sind erst später dazu gekommen, nachdem es viel Zuspruch in der Bevölkerung gegeben hat. Die Menschen, die gezielt vorbeikommen, um den Camper Mut zu zusprechen, scheinen enthusiastischer und besser informiert zu sein als die Camper selbst.
Eine junge Frau im Camp meint, dass sie Hartz-VI bezieht und für das bedingungslose Grundeinkommen demonstriert. Einige scheinen nur da zu sein, weil das Camp da ist und sie sowieso nichts zu tun haben. Nur sehr vereinzelt wird über Änderungen in der Politik, der Macht der Banken und die Auswüchse des Kapitalismus diskutiert.
Größter Unterstützer des Camps scheint die HSH-Nordbank selbst zu sein, wo die Toiletten benutzt werden dürfen und man sich im Vorraum aufwärmen kann. Viele Hamburger haben warme Decken und Essen vorbei gebracht.
Bezirksamtsleiter Schreiber, bekannt durch den Gitterkäfig gegen Obdachlose, viel dann auch nichts anderes ein, als das Camp zu verbieten.
Aber das Camp darf zunächst bleiben bis zum 10. November. Dann beginnt der Weihnachtsmarkt auf den Platz und der Protest der Kapitalismusgegner stört den Kommerz und die Weihnachtsfreude. Doch bis dahin wird sich wohl kaum etwas in der Politik geändert haben, sodass es dann durch eine polizeiliche Räumung zu unschönen Szenen kommen könnte.
Es wird wohl noch etwas dauern, bis der Protest auch die Bevölkerung in Hamburg erreicht, zumal viele im Moment eher am Einkauf ihrer Weihnachtsgeschenke interessiert sind.
Anders sieht es im Süden von Europa aus, wo die Jugendarbeitslosigkeit inzwischen bei über 40% liegt. Dort campen seit Monaten Jugendliche auf öffentlichen Plätzen. Sie können sich die teuren Wohnungen in den Städten nicht mehr leisten. Wenn sie Arbeit haben, wohnen sie in den Vororten und müssen weite Strecken zur Arbeitsstelle zurücklegen. Von dem Geld das sie verdienen können sie sich häufig nicht die Fahrkarte, Miete und Essen leisten. Auf der anderen Seite stehen viele Wohnungen leer, weil die Menschen sich die Mieten nicht mehr leisten können. Soll das die Endform des Kapitalismus sein, wo die Menschen in Zelten leben und die Wohnungen leer stehen?
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