Historischer Rückblick auf die Olympiade 1980 in Moskau und den Boykott durch die USA

Olympische Ringe cc-by von Kevin DooleyDie Olympischen Sommerspiele 1980 fanden in Moskau (Sowjetunion) statt und litten sehr unter dem Boykott mehrerer westlicher Staaten. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan ab Dezember 1979 forderte der damalige US-Präsident Jimmy Carter das IOC auf, die Spiele in eine andere Stadt zu verlegen, zu verschieben oder ganz ausfallen zu lassen. Andernfalls drohte er einen weltweiten Teilnahmeboykott an und verlangte auch gleichzeitig von den amerikanischen Bündnispartnern Solidarität.

Die Außenminister von 36 islamischen Ländern sprachen sich auf einer Konferenz in Islamabad einstimmig für einen Boykott aus. Im Auftrag von Jimmy Carter reiste auch der ehemalige Boxprofi Muhammad Ali in verschiedene afrikanische Länder, um für den Boykott zu werben. In den westlichen Ländern herrschte große Uneinigkeit, ob man sich dem Boykott anschließen sollte oder nicht. Dem United States Olympic Committee (USOC) wurden finanzielle Konsequenzen angedroht, wenn man Athleten nach Moskau entsenden würde.
Bei einer Tagung in Rom einigten sich viele westeuropäische Staaten zwar auf eine Teilnahme, aber unter Verzicht auf Nationalflaggen und Hymnen. Das Schweizerische Olympische Comité überließ es seinen Verbänden und Sportlern, ob sie teilnehmen wollten oder nicht. Diese Vorgehensweise war Vorbild auch für andere Länder. So boykottierten die meisten Reitverbände der westlichen Länder die Spiele, während ihre Nationalen Olympischen Komitees aber anreisten.
In der Bundesrepublik Deutschland beschloss die Bundesregierung am 23. April 1980 in Übereinstimmung mit den USA den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau. In der Versammlung des Nationalen Olympischen Komitees für die Bundesrepublik Deutschland kam es zu heftigen Debatten, die schließlich am 15. Mai 1980 in einer Abstimmung endeten, die mit 59:40 Stimmen für den Boykott ausging.
Die Spiele wurden letztendlich von 64 Staaten boykottiert. Die Anzahl der teilnehmenden Länder war so niedrig wie seit 1956 nicht mehr. In Folge dessen wurden die Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles von den meisten Ostblockstaaten boykottiert.

Hintergrund war wie zuvor erläutert der sowjetische Einmarsch in Afghanistan. Als einer der Stellvertreterkriege im Kalten Krieg wollten die USA sich vor allem für ihre Niederlage in Vietnam an der Sowjetunion rächen. Dafür wurden die Mudschahidin von der CIA bewaffnet und zu Widerstandsgruppen ausgebildet, die den sowjetischen Truppen schwere Verluste zufügten. Aus der Unterstützung durch die CIA ging mutmaßlich auch al-Qaida hervor. Seit 1984 hatte Osama bin Laden gemeinsam mit Anderen von Pakistan aus versucht, finanzielle und personelle Unterstützung für den Kampf der Mudschahidin gegen die sowjetische Besetzung zu werben. Unterstützung erhielten sie aus islamischen Ländern, aber auch durch den pakistanischen Nachrichtendienst ISI. Die direkte Übersetzung von al-Qaida aus dem Arabischen ist „die Basis“ oder „der Stützpunkt“, was sich mutmaßlich auf die Stützpunkte der Mudschaheddin im Sowjetisch-Afghanischen Kriegs bezieht.

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center (WTC) beschuldigten die USA Osama bin Laden als Drahtzieher. Obwohl keiner der Attentäter aus Afghanistan kam erklärte die NATO den Verteidigungsfall und damit Afghanistan den Krieg, weil sich die mutmaßliche Kommandozentrale von Osama bin Laden in den afghanischen Bergen befand. Die NATO sah in diesem Verteidigungsfall eine Vergeltung der Bündnisstaaten für einen Angriffskrieg. Dies ist unter Experten umstritten, da ein als terroristischer Anschlag, durchgeführt von mutmaßlichen Terroristen eines anderen Staates, nach dem Völkerrecht nicht als Angriffskrieg gewertet werden kann. Die USA nutzen den Anschlag auf das WTC, um der Welt den Krieg gegen den Terror zu erklären. Dabei betrachteten sie die gegnerischen Kämpfer nicht als Soldaten, sondern als ungesetzliche Kombattanten. Da aber der Verteidigungsfall der NATO ausgesprochen war, damit ein Krieg vorlag, hätten die Kämpfer als Soldaten bezeichnet werden müssen. Durch diesen juristischen Trick haben die USA das Völkerrecht ausgehebelt. Dies führte zu Kriegsverbrechen durch die US-Truppen. Es kam zu Folterungen in Guantanamo.

Ebenso schlimm verhielt sich die deutsche Politik, die den Krieg der NATO mit Afghanistan als humanitären Einsatz der Bundeswehr umdefinierte. Später gestand der damalige Verteidigungsminister von Guttenberg ein, dass man umgangssprachlich von kriegsähnlichen Zuständen reden könnte.

In Afghanistan herrscht nach der Besetzung durch die NATO eine Marionetten-Regierung angeführt von Hamid Karzai, der laut UNO durch Wahlbetrug an die Macht kam. Zahlreiche Korruptionsvorwürfe und Kooperation mit der Taliban werden ihm und seinen Verwandten vorgeworfen.
Die von der NATO ausgebildeten einheimischen Polizeikräfte, werden von der UNO zahlreicher Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. Die NATO bildet in Afghanistan somit die Unterdrücker von Morgen aus.
Seit dem Einmarsch der NATO blüht der Opiumanbau in Afghanistan, der von al-Qaida untersagt war. Russland beschuldigt die NATO, dass der aufblühende Drogenhandel von der CIA geduldet, mutmaßlich sogar unterstützt wird.
Mehr als 10 Jahre dauert die Besetzung Afghanistans durch die NATO an. Länger als die durch die Sowjetunion. Für Beobachter steht längst fest, dass die einzigen Optionen für die NATO Verhandlungen oder Rückzug sind. Bevor die NATO und die westliche Politik sich dies eingestehen können, werden aber wahrscheinlich noch viele Soldaten und noch viel mehr afghanische Zivilisten sterben müssen. Dies belegen die durch Wikileaks veröffentlichten afghanischen Warlogs (Kriegsaufzeichnungen).

Wo bleibt ein adäquater Boykottaufruf für die olympischen Sommerspiele in London 2012?

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