notebook_cc-by-nc-sa_louisvolant.jpgFür ein Projekt brauchte mein Team neulich schnell ein paar Notebooks. Diese sollten nur für Textverarbeitung und zum Surfen im Netz verwendet werden. Da traf es sich gut, dass unser Hardwarelieferant um die Ecke ein paar billige Auslaufmodelle im Angebot hatte. Die Notebooks bestanden aus Standardkomponenten des letzten Jahres mit brauchbarem Bildschirm und waren somit bestens für den Betrieb unter Xubuntu geeignet.

Die Hardware hätte zwar auch für Ubuntu gereicht, aber es kam mehr auf Geschwindigkeit beim Arbeiten an, als eine 3D-Benutzeroberfläche.

Als ich die Notebooks auf meinem Schreibtisch hatte stellte ich fest, dass sie mit vorinstallierten Linux ausgeliefert wurden. Die Linux Distribution Linpus kam zum Einsatz, mit der ich normalerweise nie in Berührung kam. Neugierig wie ich war, bootete ich eines der Notebooks, um mir Linpus mal anzusehen. Ich war sehr überrascht, als ich nach dem Bootvorgang auf einer Kommandozeile landete. Nicht das ich nicht mit der Kommandozeile vertraut bin, aber ich dachte dies wäre ein Relikt des letzten Jahrtausend, wo sich doch jetzt grafische Benutzeroberflächen überall durchgesetzt haben. Sicher ein Fehler dachte ich und wollte mit “startx” die Oberfläche starten. Aber dies wurde abgelehnt. Es war tatsächlich nichts weiter eingerichtet. Ich kramte die Anleitung herbei und da stand dann drin, dass nicht einmal die Stromsparfunktionen des Notebooks vom vorinstallierten Linpus unterstütz werden.

Jetzt frage ich mich, was diese Kundenverarschung soll? Nur damit man auf die Verpackung schreiben kann mit vorinstalliertem Betriebssystem, packt man eine solches für alle Zielgruppen ungeeignetes Linux drauf?

Ein normaler Nutzer ist sicherlich mit der Kommandozeile überfordert und kann damit überhaupt nichts anfangen. Der Profi greift vielleicht zu so einen Notebook, wenn er schnell mal Ersatz braucht. Dann will er aber schnell Internetzugriff und Standardanwendungen wie Browser und Editor haben. Mit so einem Notebook kommt man ja nicht einmal problemlos ins Internet, wo man sich ein vernünftiges Linux herunterladen könnte.

Da wäre es besser, wenn die Festplatte leer geblieben wäre und nur eine Live-Distribution als Boot-CD mit grafischer Benutzeroberfläche beigelegen hätte. Dann hätte man wenigstens sofort mit dem Notebook losarbeiten können.