Das ZDF probiert was neues aus und gibt sich als Datenschutz-Aktivist aus…

Stop Internet Censorship cc-by-nc-nd from URBAN ARTefakteWer sich ein wenig mit Online-Aktivismus beschäftigt, dem wird vielleicht die Seite Freidaten.org aufgefallen sein. Die ist gut gemacht, war plötzlich da und hat viele Informationen wie den Datenschutzraum, der mit Unterstützung des ZDF entstanden ist.
Auf den zweiten Blick fällt dann auf, dass die Filme etwas zu perfekt sind und sehr oberflächlich. Da hat die Marketingabteilung des ZDF wohl wieder etwas über das Ziel hinausgeschossen, um sich Hip zu geben. Es geht nämlich bei dem Projekt in erster Linie um Unterhaltung und einen interaktiven Krimi und nicht um Datenschutz.

Das Video “Die Milch macht’s” versucht auf die Gefahren von RFID-Chips hinzuweisen:

Sieht lustig aus, beinhaltet aber wenige echte Informationen und durch das Zertreten der Milchtüten, wird nur die Milch verschwendet, der RFID-Chip wird dadurch nicht zerstört. Hier informiert man sich dann doch lieber bei echten Aktivisten, z. B. beim CCC über den RFID-Zapper und nicht beim ZDF.

Weiter geht es mit dem “Frische Daten” Video, das irgendwie keine echten Informationen enthält, außer das unsere Daten unkontrollierbar verkauft werden können.

“Geotagged Stories” zeigt allerdings ziemlich gut die Gefahr, die von der Vorratsdatenspeicherung und Ortungsdaten ausgehen.

Auf die gefahren von sozialen Netzwerken wird wiederum sehr oberflächlich, dafür anschaulich eingegangen:

Man findet dann noch zwei Trailer [1] für den Internetkrimi und zwei Interviews. In dem einen Interview erklärt eine ZDF-Mitarbeiterin das Projekt, in dem anderen wird Jessica Richter alias Dina Foxx Nickname Datagrrl [1], die Hauptdarstellerin interviewt. Man muss aufklären, wer sie in den Knast gebracht hat und man kann kein Date mit ihr gewinnen.

Das virale Marketing zu dem Projekt hat nicht so gut geklappt und eigentlich wurde nur vereinzelt die Pressemeldung im Internet vom ZDF verteilt, was zeigt das Online-Redaktionen Pressemitteilungen eins zu eins vervielfältigen können, wie man hier und hier [1] [2] sieht …

Fazit
Sicher ist es nicht verkehrt das Thema Datenschutz in die Öffentlichkeit zu bringen und man muss da ja auch nicht immer todernst rangehen. Allerdings können sich echte Datenschutzaktivisten leicht verschaukelt vorkommen, beim reinen Unterhaltungs- und Spaßansatz des ZDF. Das ZDF hat in Sachen Online-Marketing noch viel Nachholbedarf, wie die Geschichte, wie das ZDF zum Twittern gekommen ist, zeigt. Darüberhinaus beteiligt sich das ZDF auch an Lobbyarbeit, die eher kontraproduktiv zum Datenschutz ist und wahrscheinlich auch nicht im Interesse der Zuschauer, der Verschärfung des Urheberrechts.

[UPDATE]
Das ZDF steht dann ja auch richtig mutig zu seinem neuen Projekt, was die Sendezeit kurz vor Mitternacht zeigt. Ausgerechnet hinter einem Fußballspiel, das auch noch in der Verlängerung läuft. Eventuell denkt man sich auch, dass die Zielgruppe sowieso parallel WoW zockt und nur hin und wieder mal reinzappt …

[UPDATE II]
So der interaktive Internet-Krimi ist im Fernsehen gelaufen und kann beim ZDF in der Mediathek abgerufen werden. Der Film hatte alles: Internet, Verschwörung, Sex, enttäuschte Gefühle, Hoffnung, … – und trotzdem irgendwie nichts fesselndes.

Jetzt soll man also im Netz ermitteln:
Ausgangsseite vom ZDF empfohlen: http://www.freidaten.org
Die Firma, wo Dina Foxx gearbeitet hat: AvaData
Eine Firma mit der Vasco zu tun hatte: Qoppamax

Bei Qoppamax kann man sich aus dem Quellcode die Zugangsdaten zum Anmelden rausholen. Nur leider ist der Server dann sofort zusammen gebrochen. Das Ganze scheint ja richtig professionell durchgeplant zu sein, wie diese Tweets [1] [2] [3] vermuten lassen. Aber wahrscheinlich gehört das alles dazu, damit man das Rätsel nicht so schnell löst … 😉

Wer sich mal das Werbevideo von AvaData anschaut, wird feststellen, dass da ganz massiv Werbung für den auch von der Regierung preferierten digitalen Radiergummi gemacht wird. Damit wollen Offline-Politiker gerne kurz vor den Wahlen alles aus dem Internet löschen, damit sie wieder mit sauberer Weste dastehen. Internetprofis können über solche infantilen Ansätze nur lachen, da sie einfach zu umgehen sind und keinen realen Wert für die Praxis haben, außer die Verschwendung von Steuergeldern …

Comments

  1. Sich bei Qoppamax einzuloggen bringt nichts. Man erhält keine Informationen und man kommt da auch ohne Anmeldung ran:

    http://www.qoppamax.de/index.php?controller=backend&action=message&id=2

    Ich bezweifle auch, dass die beim ZDF so auf Zack sind. Da muss man wahrscheinlich gar nicht hacken, um an die Lösung zu kommen und wenn man es doch tut, hat man wahrscheinlich die Polizei am Hals, weil das gar nicht vorgesehen ist 😉

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