Wie sich die Musikindustrie vorsätzlich ins Bein schießt und alle bereitwillig mitmachen…

Dead End SignIch hatte neulich wieder eines dieser merkwürdigen Erlebnisse, die man als Journalist leider ständig hat. Für ein Musikmagazin sollte ich von einem Konzert berichten, wo ein Künstler seine Deutschland-Tournee startete. Leider war ich etwas spät dran.

So stand ich nun am Presseeingang und fragte, ob ich denn Fotos machen dürfte. “Nein, Fotos sind nur während der ersten drei Lieder erlaubt und die sind schon vorbei. Wenn es eine professionelle Kamera ist, müssen sie diese abgeben. Das verbietet uns der Künstler!”

So so der Künstler verbietet der Presse also die Fotos. Was für ein Schwachsinn. Die Security warf also einen Blick auf meine Kamera und ich musste sie abgeben.

Das Konzert war richtig gut und der Künstler kam mehrmals nach vorne an die Bühne, damit die Fans Fotos machen konnten. Einige Fans hatten auch ähnlich gute Kameras, wie ich dabei mit starkem Zoom. Alles geschah unter den Augen der wachsamen Security.

Der Presse nimmt man also die Kameras ab, weil der Künstler angeblich nach dem dritten Lied nicht mehr fotografiert werden will, den Fans erlaubt man es aber…

Fazit:
Ich genoss das Konzert und schrieb danach einen ganzen Satz darüber, der unter ferner liefen veröffentlicht wurde. Man mag mich für naiv halten aber ich glaube ernsthaft, dass ein paar Fotos meinen Bericht optisch aufgewertet hätten und ich dann auch einen längeren Artikel geschrieben hätte.
Solange sich also die Musikindustrie vorsätzlich so dermaßen ins Bein schießt und Künstler und Veranstalter da bereitwillig mitmachen, hat sie in meinen Augen jegliches Recht verloren über mangelnde Einnahmen zu jammern. Eine guter Artikel mit Fotos hätte dem Künstler sicherlich bei seiner Tournee geholfen und dem Konzertveranstalter auch. Die Musikindustrie ist in meinen Augen eine längst überholte ewig gestrige Behinderung für Kultur, Vielfalt, Musik und Künstler. Solange aber alle bereitwillig bei den schwachsinnigen Regeln mitmachen und sich nicht auflehnen, hält sich auch mein Mitleid für Künstler und Konzertveranstalter in Grenzen.

[UPDATE]
Der Vorfall scheint ja keine Seltenheit zu sein und der Journalistenverband findet es auch nicht gut. Zitat aus dem Artikel bei Gulli: Silbermond: Bildjournalisten müssen nach 3 Songs Kameras abgeben…

Der Deutsche Journalistenverband macht aktuell auf Akkreditierungsbestimmungen aufmerksam, die vom Management der Band “Silbermond” an Journalisten ausgegeben werden. In diesen verpflichten sich die Journalisten ihre gesamte Kameraausrüstung abzugeben, wenn sie nach dem 3. Song noch immer auf dem Konzert verbleiben wollen.

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