Manipulation durch Zahlen: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt…

Einer Pressemeldung sollte man nie ungeprüft vertrauen. Sie ist eher eine Werbebotschaft von Unternehmen. Gerade bei der Ölpest im Golf von Mexiko hat sich gezeigt, dass BP die wahren Ausmaße der Umweltverschmutzung und Hintergründe versucht hat zu verschleiern. Wenn Unternehmen Mist bauen, schaffen sie es immer durch geschickte Formulierungen in ihren Pressemeldungen, dies runter zu spielen.

Um so gefährlicher ist es, wenn im Pressebereich gespart wird. Dann sind Journalisten häufig gezwungen ohne ausreichende Prüfung, Pressemeldungen zu übernehmen. Es kommt dann auf die Medienkompetenz des Lesers an, Manipulationen zu erkennen. Andernfalls ist man total überrascht, wie die Griechen, die den geschönten Statistiken der Politik und Presse jahrelang geglaubt haben.

Ein beliebtes Mittel der Manipulation ist es Zahlen geschickt so einzusetzen, dass man in der Krise für Optimismus sorgen kann. Dies ist nicht grundverkehrt, kann aber dazu führen, dass man Probleme verschleiert, die dann ungelöst bleiben (wie in Griechenland).

Ein besonders krasses Beispiel für eine Manipulation stand jüngst in der Bildzeitung. Da der entsprechende Abschnitt nicht online Verfügbar ist, wird er im folgenden zitiert:

Bildzeitung Ausgabe 2010-07-09 Seite 2 Bereich Politik & Wirtschaft


Stärktes Exportplus seit 10 Jahren
Berlin – Deutsche Firmen haben im Mai Waren im Wert von 77,5 Mrd. € ins Ausland verkauft. Das waren 28,8% mehr als im Vorjahr – stärkster Zuwachs seit 10 Jahren (Statistisches Bundesamt).

Nun war aber letztes Jahr ein sehr schlimmes für Deutschland mit viel Kurzarbeit. Ein Plus ist dann leicht zu erreichen und sagt gar nichts aus, wenn man es nicht mit einem längeren Zeitraum vergleicht und in Relation setzt. Die Meldung ist somit komplett wertlos und täuscht über die wahren Probleme hinweg.

Der inzwischen wieder steigende Euro wird nämlich die Gewinne im Export schmälern und dann ist es egal wie viel Plus die Firmen im Export machen. Dabei hatte sich Europa und allen voran Deutschland so bemüht den Euro absichtlich abzuwerten [1] [2] [3] [4].

Für die Euro-Abwertung war Griechenland offensichtlich der willkommene Auslöser. Der wahre Grund war aber wohl der Export, wie auch in diesem Artikel über die Autoindustrie beschrieben wird. Auch der Spiegel wies schon früh darauf hin, dass ein schwacher Euro das Beste für Deutschland ist.

Nur bedeutet dies alles nicht, dass die Krise überwunden ist. Die Probleme bestehen alle nach wie vor und sie werden eher schlimmer. Doch genau wie in Griechenland wird durch Meldungen, wie die oben beschriebene aus der Bildzeitung für Optimismus gesorgt, bis es zu spät ist…

[UPDATE]
Sehr schön in diesem Zusammenhang ist auch die folgende Meldung: Die Wirtschaft ist wieder in Partylaune. Da zwängt sich doch die Frage auf, ob die Bevölkerung auch zur Party eingeladen ist?

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